Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696256
356 
III. 
Die ital. bild. Kunst in d. 
ersten Hälfte d. 16. Jahrh. 
Malerei. 
auch Scenen der antiken Mythe, wie Venus und Amor, Leda, die drei 
Parzen, der Ganymedesraub, u. a. m.  
Unter den Schülern und Nachfolgern des Michelangelo wird beson- 
ders Marcello Venusti in der gediegenen Ausführung von Bildern 
nach Zeichnungen des Meisters gerühmt.  Bedeutender und selbstän- 
diger war Daniele Riceiarelli, genannt D. da Volterra (1509 bis 
1566). Die vorzüglichsten Arbeiten dieses Künstlers fanden sich in der 
Kirche S. Trinita de' Monti zu Rom, undlunter diesen ist namentlich 
eine mächtige, leidenschaftlich bewegte Darstellung der Kreuzabnahme 
als sein Hauptwerk zu bezeichnen. (Neuerlich nach der französischen 
Akademie in die VillaMedici gebracht.)  Dann ist hier der Venetianer 
Fra Sebastiano del Piombo (1485-1547) zu nennen, den Michel- 
angelo an sich zog, um durch ihn grossartige Compositionen in dem 
schönen venetianischen Colorit ausführen zu lassen. Sebastiano ging aus 
der Schule Bellini's hervor und schloss sich dem Giorgione an, dessen 
unfertig hinterlassenes Bild der „Astrologen", jetzt im Belvedere zu Wien, 
er vollendete, und in dessen Geist er das ausgezeichnete Altarbild des 
h. Chrysostomus in S. Giov. Crisostomo zu Venedig ausführte.  Um 
1512 ging er nach Rom und malte dort die farbenfrischen Freskolunetten 
im Galatenasaal der Villa Farnesina. Sodann trat cr in jenes nähere Ver- 
hältniss zu Michelangelo und führte namentlich das berühmte Gemälde 
der Auferweckung des Lazarus, jetzt in der Nationalgalerie zu London, 
nach einer Zeichnung, zum Theil auch nach einem grösser ausgeführten 
Carton des Michelangelo aus: ein Werk, das den Wettstreit mit Rafaels 
Transiiguration eingehen konnte. Aus derselben Zeit (1520) stammt das 
schöne Bild der Marter der h. Apollonia, im Pal. Pitti zu Florenz. 
Auch die Fresken einer Kapelle von S. Pietro in Montorio zu Rom 
führte er nach Michelangelds Entwürfe aus; einfach grossartig ist hier 
die Geisselung Christi. Ein grossartiger kreuztragender Christus im Mu- 
seum zu Madrid, und ein anderer, kleinerer, auf Schieferstein, ehemals 
in der Soult'schen Sammlung, jetzt in Petersburg, sind Werke höchster 
Bedeutung; eine ergreifende Darstellung des todten Christus im Schoosse 
derMutter in S. Francesco zu Viterbo. Ein Gekreuzigter, und ein 
von Magdalena und Joseph von Arimathia betrauerter todter Christus, 
auf einer Schiefertafel, im Museum zu Berlirß Sodann findet sich eine 
höchst bedeutende heil. Familie in einer Kapelle der Kathedrale zu 
Burgos. Endlich giebt es von Sebastiano eine Anzahl von Portraits, 
in denen die machtvolle, grandiose Auffassung eines Michelangelo sich 
mit der tiefen Farbenglut, der lebensvollen Wahrheit, der vollendeten 
malerischen Behandlung der Venezianer zur höchsten Wirkung verbin- 
det. So mehrere im Museum zu Neapel, ein vorzügliches Bildniss des 
Andrea Doria im Pal. Doria zu Rom, ein weibliches Brustbild aus sei- 
ner früheren Zeit, streng, schön und gediegen, im StädePschen Institut 
zu Frankfurt und, diesem im tiefen leuchtenden Bronceton und der 
ganzen Auffassung nahe verwandt, das wundervolle Frauenbildniss vom 
J, 1512 in der Tribuna der Uffizien zu Florenz, welches irrigen Weise 
unter der Bezeichnung der Fornarina dem Rafael zugeschrieben wird.
        

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