Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696210
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III. K. Die ital. bild. Kunst in d. ersten Hälfte d. 16. 
B. Malerei. 
J ahrh. 
bewegen sich zum grossen Theil in denselben Gegenständen, doch ist 
auf der einen Seite der Geist, mit welchem er dieselben auffasst, mehr 
der der alten florentinischen Schule (d. h. der einer noch grösseren Rea- 
lität), andern Theils ist seine Durchbildung freier und leichter. In ein- 
zelnen Gemälden Andrea's macht sich eine glückliche Aufnahme von 
Motiven, die dem Leonardo da Vinci unmittelbar eigen sind, bemerklich, 
und er verdankt diesem Meister ohne Zweifel einen Schmelz der Model- 
lirung, der ihn zuweilen fast bis zu dem zauberisch wirkenden Helldun- 
kel des Oorreggio führt; in andern, seiner späteren Zeit angehörigen 
Gemälden neigt er sich zuweilen zu der Richtung des Michelangelo, die 
im Allgemeinen jedoch nicht sonderlich harmonisch zu seiner persönlichen 
Eigenthümlichkeit stimmt. Die letztere besteht in einer freien und hei- 
teren Naivetät, die vornehmlich in seinen heiligen Familien sehr erfreu- 
lich wirkt. Solche und andere Altarbilder finden sich zahlreich in den 
liorentinischen Galerieen (namentlich in der des Palastes Pitti), seltener 
in auswärtigen Sammlungen. Als Fresken seiner Hand' ist zunächst 
eine Reihe von Bildern, grau in grau gemalt und die Geschichte des Täu- 
fers darstellend, im Vorhofe der Oompagnia dello Scalzo zu Florenz 
zu nennen; einige von diesen gehören noch seiner frühesten Zeit an und 
erscheinen der älteren florentinischen Darstellungsweise noch sehr nahe 
stehend, die Mehrzahl aber rührt aus seiner vullendeteren Entwickelungs- 
periode her.' Sodann eine Reihe von Fresken im Vorhofe von S. Annun- 
ziata zu Florenz, fünf Scenen aus der Geschichte des h. Philippus Be- 
nizzi, von einer überaus anziehenden Wahrheit und schlichten Würde, 
sowie, ebendaselbst, die Geburt Mariä und die Anbetung der Könige; 
eine grossartige hl. Familie (la Madonna del Sacco, 1525) in dem gros- 
sen Klosterhofe von S. Annunziata; und ein höchst vorzügliches Abend- 
mahl in dem Refektorium des Klosters S. Salvi bei Florenz (1526 bis 
1527). Von den während Andrea's Aufenthalt in Frankreich gemalten 
Bildern ist eine Caritas in der Galerie des Louvre als strenge und mei- 
sterhafte Composition zu erwähnen. 
Als glücklicher Nachahmer des Andrea erscheint sein Freund Marc- 
Antonio Franciabigio, namentlich in ein paar Scenen des Vorhofes 
dello Scalzo, die von ihm herrühren, und in einer Darstellung der Ver- 
mählung der Maria im Vorhofe von S. Annunziata.  Unter Andrea's 
Schülern ist vornehmlich Jacopo Carucci, genannt Pontormo, ausge- 
zeichnet. Von ihm die Heimsuchung Mariä. im Vorhofe von S. Annun- 
ziata. Ausgezeichnet war er in Portraitbildern, die er im zartesten 
Schmelz der Modellirung durchzubilden wusste.  Sodann Domenico 
Puligo) bei welchem die Formenauffassung des Meisters in das Unbe- 
stimmte zeriliesst. 
Als ein tüchtiges Talent unter den florentinischen Künstlern, die 
im Anfange des 16ten Jahrhunderts blühten, ist ferner Ridolfo Ghir- 
landajo, Sohn des Domenico, zu nennen. 'Zwei Bilder seiner Hand, 
aus der Legende des h. Zenobius, im Museum von Florenz, stehen den 
Werken der vorgenannten Meister würdig zur Seite, namentlich was die 
fresco 
di Andrea del Sarto.
        

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