Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696201
Andrea 
Fra Bartolommeo , 
Sarto 
del 
Meister. 
Horent. 
351 
mehr oder weniger bedeutender Einfluss seiner Persönlichkeit und der 
durch ihn mächtig gehobenen technischen Ausbildung keineswegs zu ver- 
kennen. In diesem Betracht darf hier eine Reihe von zum Theil sehr 
ausgezeichneten Malern namhaft gemacht werden, deren Richtung sich 
auf der einen Seite an jenes ältere, realistische Streben der florentini- 
scheu Schule (wie dasselbe zuletzt in seiner grossartigsteu Bedeutung bei 
Ghirlandajo erschienen war) anschloss, auf der andern Seite aber durch 
Leonardo zu einer tieferen Durchdringung der künstlerischen Aufgabe 
und zu einer freieren Gestaltung derselben hingeführt ward.  
Der älteste unter diesen ist Baccio della Porta, nachmals Mönch 
und gewöhnlich mit seinem Klosternamen Fra Bartolommeo genannt, 
(1469-1517). Auch von seinem Leben gehört noch ein grosser Theil 
in die Periode des 15. Jahrhunderts; er war ursprünglich ein Schüler- 
des Cosimo Roselli, und die Richtung dieses Künstlers zeigt sich auch 
noch, obschon aufs Edelste durchgebildet, in ein paar miniaturartig ge- 
malten Täfelchen von der Hand des Fra Bartolommeo, welche sich im 
Museum von Florenz befinden und die Geburt und die Beschneidung 
Christi vorstellen. Die Blüthe seiner künstlerischen Thätigkeit fällt in- 
dess erst in die letzten Jahrzehnte seines Lebens; dieser Periode gehört. 
die bei weitem grössere Mehrzahl seiner Werke an, und in ihnen liegt 
das Streben der neuen Zeit klar ausgesprochen. Es sind zumeist Ge- 
mälde von einfacher Composition, Altarbilder mit der thronenden Madonna 
und Heiligen, oder kleinere Madonnen- oder Heiligenbilder; ohne eine 
besondere religiöse Schwärmerei zu verrathen, entfalten sie eine ruhige, 
aber ernste und würdige Auffassung des Lebens, oft nicht ohne Anmuth, 
zuweilen mit dem Streben nach höherer Grossartigkeit, dessen der Mei- 
ster jedoch nicht überall mächtig wird. Sein Vortrag hat einen zarten 
weichen Schmelz, der ziemlich deutlich auf Leonardo zurückweist, zugleich 
eine markige, breite und volle Wirkung, obwohl die Zusammenstellung 
der Farben oft hart und unharmonisch ist. Die florentinischen Samm- 
lungen enthalteneine bedeutende Anzahl solcher Werke, namentlich ist 
die Galerie des Palastes Pitti reich daran. Ausserdem finden sich be- 
deutende Altarbilder seiner Hand vornehmlich in einigen Kirchen von 
Lucca (S. Martino und S. Romano); im Louvre zu Paris, etc.  Fresko- 
bilder von Fra Bartolommeo sind selten; als ein sehr bedeutendes Werk 
solcher Art kann hier nur die grossartige (doch leider sehr verdorbene) 
Darstellung des jüngsten Gerichtes in einem Hofe von S. Maria Nuova 
zu Florenz angeführt werden.  Ein trelflicher Nachahmer des 151m 
Bartolommeo war sein Freund Mariotto Alb ertin elli, (mehrere B11- 
der u. a. in der Akademie von Florenz, vorzüglich eine Heimsuchung 
Mariä in den dortigen Uffizien). So auch Fra Paolo da Pistoja; (A1- 
tarblatt in der k. k. Galerie in Wien).  
 Andrea (191 SMWI (1488 bis 1530), uYSPrünglich ein Schüler des 
Pier diCosimo, bildete sich in ähnlicher Richtung aus. Auch seine Werke 
 
' Der bisher allgemein angenommene Familienname des Andrea de] Sarte 
.,Vanucchi" ist durch die Untersuchungen der neuesten Herausgeber des Vasan 
(ed- Lemonnier. V01. VIII. p. 298 fg.) beseitigt.
        

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