Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696193
350 
III. 
Die ital. bild. Kunst in d. 
ersten Hälfte d. 16. 
Jahrh. B. 
Malerei. 
tung sind die Gemälde zu betrachten, die, dem Kreise der antiken Mythe 
sich anschliessend, das Verlangen und die Wonne der Sinnenwelt in 
verklärten Zügen offenbaren. Zu diesen gehören zwei Bilder des Ber- 
liner Museums, Leda, die mit ihren Gespielinnen badet, und Jo, von 
der Wolke umarmt, letzteres namentlich ein Werk von hinreissender 
Gewalt; (ein andres Exemplar desselben im Belvedere zuWien). Ferner: 
Jupiter und Antiope im Pariser Museum, etwas zu absichtlich in der 
Composition, jedoch von zauberhafter Farbenwirkung und dem vollen- 
detsten Schmelz des Vortrages; Danae mit Amorinen, in der Galerie 
Borghese zu Rom, in der Auffassung nicht ansprechend, aber in male- 
rischer Beziehung von höchstem Werthe, trotz erlittener Misshandlung; die 
Erziehung des Amor (durch Venus und Merkur) in der National-Galerie 
_zu London, ein Bild von hohem, geläutertem Adel; und der überaus 
anmuthige Ganymedesraub im Belvedere zu Wien.  Endlich noch zwei 
Bilder der Galerie von Dresden, die berühmte h. Magdalena und ein 
wunderbar Vollendetes männliches Bildniss. 
Die Schüler und Nachfolger des Oorreggio geriethen insgemein, wo 
sie die Empündsamkeit des Meisters in sich aufzunehmen strebten, in 
eine aHektirte Manier; nur in einzelnen Fällen, wo sie sich einer schlich- 
teren Naivetät überliessen, erscheinen sie ansprechender. Die bedeutend- 
sten unter ihnen sind: Pomponio Allegri (Sohn des Correggio), 
Francesco Maria Rondani, Michelangelo Anselmi, Bernar- 
dino Gatti, gen. il Sojaro, Giorgio Gandini, gen. del Grano, 
Lelio Orsi aus Novellara u. s. w.  Bei weitem der berühmteste unter 
den Nachfolgern Correggids ist Francesco Mazzuoli, genannt il 
Parmigianino (1503-1540). Dieser Künstler hatte allerdings ein 
sehr bedeutendes und gleichfalls schon sehr früh gereiftes Talent; aber 
die seelenvolle Anmuth seines grossen Vorgängers ward bei ihm zu 
einer, ihres Strebens sich stets bewussten Koketterie, und die letztere 
wirkt in seinen Bildern um so widerwärtiger, als er darauf hinarbeitet, 
mit solcher Richtung zugleich eine gewisse Grossheit, nach der Weise 
des Michelangelo, zu verbinden. Nur wo das unmittelbare Vorbild der 
Natur ihm einen wohlthätigen Zügel anlegte, d. h. in der Darstellung 
von Bildnissen, wie sich solche u. a. im Museum von Neapel vorfinden, 
erscheint Parmigianino wahrhaft bedeutend; doch ist auch unter seinen 
meist widerwärtigen Historienbildern wenigstens eine Madonna mit Heili- 
gen in der National-Galerie zu London (1527) um der Virtuosität der 
Darstellung willen anzuführen.  Eine ähnliche Richtung verfolgte sein 
Schüler und Vetter, Girolamo di Micchele Mazzuoli, von dem 
ein Hauptbild, eine Verkündigung, in der Ambrosiana zu Mailand. 
Fra. Bartolommeo , 
Andrea del Sarto und andere iiorentinische Meister von 
verwandter Richtung. 1 
Wenn Leonardo da. Vinci in Florenz nicht, wie in 
eigenthümliche Schule gegründet hat, so ist gleichwohl 
Mailand, eine 
auch hier ein 
 
Denkmäler der Kunst,
        

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