Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696102
seine 
da Vinci und 
Leonardo 
Nachfolger. 
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betrifft, durch einen weichen, aber höchst durehgebildeten Schmelz des 
Vortrages aus. 
Die vielseitige Thätigkeit des Leonardo war der Grund, dass er, wie 
es scheint, keine sonderlich grosse Anzahl von Arbeiten geliefert hat, 
die dem Fache der Malerei zugezählt werden müssen, obschon dies jeden- 
falls sein Hauptfach war. Ungleich mehr zu bedauern ist es, dass die 
wichtigsten dieser Arbeiten untergegangen sind und dass wir über die- 
selben somit nur eine unzulängliche Kunde besitzen. (Dass dasselbe Miss- 
geschick auch sein grosses Werk im Fache der Sculptur betroffen hat, 
ist bereits erwähnt worden.) Die vorzüglichsten WVerke seiner Jugend- 
zeit, einen grauenvollen Medusenkopf, einen Carton des Neptun auf 
sturmbewegtem Meere, einen andern, der das Paradies vorstellte, kennen 
Wir nur aus der Beschreibung.  Im Jahr 1482 ward Leonardo nach 
Mailand an den Hof des Lodovico Sforza berufen und hielt sich hier bis 
1499 auf. Hier eröffnete sich ihm die anziehende Eigenthümlichkeit 
der lombardischen Kunst, in ihrer weichen und süssen Anmuth und in 
jener gemessenen Durchbildung, welche sie dem Einfluss der Paduaner 
verdankte. Gewiss blieb diese Kunstrichtung nicht ohne Einiiuss auf ihn, 
wie er dieselbe umgekehrt, an der Spitze einer zahlreichen Schule, die 
sich alsbald um ihn versammelte, zu ihrer edelsten Entfaltung brachte. 
Hier schuf er das grosse Meisterwerk seines Lebens, das berühmte 
Abendmahl, welches er auf eine Wand im Refektorium von S. Maria 
delle Grazie (mit Oelfarben) malte, ein NVerk, das bei der lebendigsten 
dramatischen Entwickelung die grösste Harmonie des Styles, bei der be- 
sonnensten Charakteristik die höchste religiöse Begeisterung offenbarte. 
Aber frühzeitig verdorben und übermalt, und wieder übermalt und 
Wieder verdorben, ist das Gemälde jetzt nur eine traurige, gespenster- 
hafte Ruine, 1 und wir kennen dasselbe eigentlich nur aus verschiedenen 
alten Copien, welche zum Theil bereits von seinen Schülern angefertigt 
wurden, sowie aus seinen eigenhändigen, auf Papier gezeichneten Ent- 
würfen der Köpfe, die sich gegenwärtig zum grössten Theil in der 
grossherzoglichen Sammlung zu Weimar befinden und die freilich den 
höchsten Begriff von der Schönheit des Werkes, wie dasselbe ausgeführt 
ward, geben. Von andern Arbeiten, die Leonardo in Mailand ausge- 
führt haben dürfte, wird später die Rede sein.  Im J. 1499 kehrte er 
nach Florenz zurück. In die ersten Jahre seines dortigen Aufenthalts 
fallen wiederum zwei höchst wichtige Werke, Beides Cartons. Der eine, 
erhalten und in der Akademie von London aufbewahrt, stellt die h. "Jung- 
frau mit ihrer Mutter (der h. Anna) und mit dem Ohristkinde, das mit 
einem Lamm spielt, dar; ein Werk, das ein eben so hghgg und durch- 
gebildetes Gefühl für Schönheit der Form, wie für innerliche Begeelung 
erkennen lässt. Von seinen Schülern ist dasselbe (wie auch eine zweite, 
ähnliche Composition) mehrfach gemalt worden; das bedeutendste dieser 
Bilder, wohl bestimmt für ein eigenhändiges WVerk des Meisters zu halten, 
findet sich im Louvre zu Paris. Der zweite Carton stellte ein Reiter- 
n 
1 Doch sind bei der letzten Herstellung zahlreiche 
höchster Bedeutung zum Vorschem gekommen. 
echte 
Einzeltheile 
VOIl
        

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