Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696094
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Die ital. bild. Kunst in d. 
ersten Hälfte d. 
J ahrh. 
Lfaierei. 
Schule vorhanden waren und die durch Leonardo noch wesentlich ver- 
-mehrt wurden, ging sodann (freilich eben so sehr durch besondere Sin- 
nesweisegehoben) die Richtung des Correggio hervor. Doch viel wei- 
ter nochlerstreckte sich Leonardds Einfluss, und auch in Florenz treten 
andere Künstler von einem ihm verwandten Streben auf. Zugleich aber 
erscheint hier, als der zweite grosse Meister neben Leonardo, Michel- 
angelo, in seiner gewaltigen, bereits oben (bei Betrachtung der Sculp- 
tur) geschilderten Eigenthümlichkeit. Auch er war nicht ohne Einfluss 
auf die Kunst seiner Heimath; doch gehört seine vorzüglichste Thätig- 
keit und Wirksamkeit im Fache der Malerei Rom an. Hier trat ihm 
ein jüngerer Meister zur Seite, Rafael, der, aus der schwärmerischen 
Schule von Umbrien hervorgegangen, sich nachmals in dem sinnlich 
kräftigeren Florenz gestärkt hatte und nunmehr in Rom die höchste Rein- 
heit und Anmuth des künstlerischen Styles erreichte, in seiner freieren 
Entfaltung zum Theil durch die Nähe Miehelangelds gefördert. Um Ra- 
fael versammelten sich zahlreiche Schüler, die sich ihm theils unmittel- 
barer anzuschliessen strebten, theils die Richtungen andrer Schulen (auch 
älterer, in denen sie die erste Bildung empfangen hatten) mit der scini- 
gen verbanden. In andrer Beziehung bildete sich bei den Meistern von 
Venedig, bei Giorgione und namentlich bei Tizian, die wärmste Er- 
fassung des Lebens aus. Auch ihnen schlossen sich zahlreiche Nachfol- 
ger an, von denen viele indess wieder andre Elemente, wie z. B. die der 
benachbarten lombardischen, im Einzelnen auch die der römischen oder 
tlorentinischen Kunst, mit den eigentlich venetianischen verbanden. 
Leonardo da Vinci und seine Nachfolger. 
Leonardo da Vinci (1452-1519),1 in der Nähe von Florenz ge- 
boren und hier in der Schule des Andrea Verocchio gebildet, ist derje- 
nige Meister, der die grosse Glanzzeit der italienischen Malerei erölfnet. 
Seine Thätigkeit fallt zwar grössteil Theils noch in die Periode des 15. 
Jahrhunderts, gleichzeitig mit der Thätigkeit vieler derjenigen Künstler, 
die im vorigen Kapitel besprochen sind; seine Entwickelung aber ragt 
bedeutend über diese hinaus und leitet entschieden die vollkommen freien 
und umfassenden Bestrebungen des 16. Jahrhunderts ein. Leonardo war 
von einem forsehsamen Geiste und von der vielseitigsten Schöpferkraft 
beseelt; in allen Künsten und Wissenschaften erfahren, wusste er ebenso 
scharf das Leben der Seele, wie das des Körpers bis in die letzten End- 
punkte hinab zu durchdringen und in seinen Gebilden darzustellen; und 
dennoch War er frei von aller Nüchternheit der Auffassung, vielmehr 
weitet in Seinen Darstellungen durchweg zugleich der Hauch einer zarten 
und tiefsinnigen Schwärmerei, der ihnen, bei der Fülle des Lebens, die 
sich darin ausspricht, einen um so eigenthümlicheren Reiz giebt. Solcher 
Auffassung gemäss zeichnen sie sich, was das Aeussere der Behandlung 
 
da 
s. Schule s. die Umrisse bei Fumagalli, 
 Denkmäler der Kunst, T. 1'4- 
1 Üeber Leonardo u. 
Vinei in Lombardia.  
scuola 
di. Lion.
        

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