Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696063
Die Meister von Oberitalien und Neapel. 
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ähnlich wie in denjenigen des Alfonso Lombardi ein oft ausserordent- 
lich schöner, im Sinn des 16. Jahrhunderts geläuterter Naturalismus, der 
die höheren plastischen Gesetze nur wenig beachtet, weil er seiner Wir- 
kung gewiss ist.  Sodann Agostino Busti, gen. il Bambaja, von 
Mailand, ein Künstler, der besonders in sauber durchgeführten Arbeiten 
von kleinerer Dimension ausgezeichnet war. Sein Hauptwerk war das, 
durch die feinste, zierlich phantastische Ornamentik ausgezeichnete Grab- 
monument des Gaston von Foix in Mailand, das gegenwärtig zerstreut 
ist und von dem nur einzelne Theile in der Sammlung der ambrosiani- 
sehen Bibliothek, andere in der Brera von Mailand aufbewahrt werden. 
Ein Nachfolger des Bambaja in solcher Arbeit, doch bereits bedeutend 
manierirt, war Francesco Brambilla. Ferner Christoforo Solario, 
genannt il Gobbo, von dem in der Sakristei des Doms zu Mailand ein 
an die Martersäule gebundener Christus, sowie in der Oertosa bei Pavia 
die beiden herrlichen Grabmäler des Lodovico Sforza und seiner Gemahlin 
Beatrice d' Este mit den liegenden Marmorbildern der Verstorbenen, ur- 
sprünglich in S. Maria delle Grazie zu Mailand.  Ein anderer unter den 
Meistern der Karthause von Pavia war Marco Agrate; von ihm rührt 
eine Statue des h. Bartholomäus im Dome von Mailand her, mit abge- 
zogencr Haut (nach der Legende des Heiligen), ein vollständig genaues 
anatomisches Modell, somit für die Verirrungen, zu denen die realistische 
Richtung und das wissenschaftliche Streben der modernen Zeit allerdings 
führen konnte, ein nur zu deutliches Zeugniss. "Die Statue trägt die naive 
Inschrift, dass sie nicht von Praxiteles, sondern von M. Agrate gefertigt 
sei, was Niemand in Zweifel zu ziehen geneigt sein wird.  
Endlich begegnen uns auch in Neapel einige beachtenswerthe Mei- 
ster der Sculptur, welche der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ange- 
hören. Giovanni da. Nola, gen. il Merliano, (1478-1559) war 
Schüler jenes älteren Meisters, des Aniello Fiore. Von ihm sieht man 
Arbeiten in verschiedenen Kirchen der Stadt, die jedoch nicht alle glei- 
ehen Werth haben. Die treftlichsten, durch eine einfache Schönheit aus- 
gezeichnet, sind drei Grabmäler in S. Severino, Kapelle Sanseverino und 
ein Kindergrabmal vor der Sakristei daselbst; so auch das anmuthige 
Grabmonument eines jungen Mädchens, der Antonietta Gandino, in 
S. Chiara.  Schüler des Mcrliano war Domenico d" Auria. Wie 
die genannten Arbeiten seines Meisters, so sind auch ihm Adel und Ein- 
fachheit eigen, namentlich in den schönen Reliefs der Kapelle Gesualda, 
in S. Severino, welche den gekreuzigten Heiland und die Madonna mit 
dem Leichnam des Sohnes vorstellen.  Bedeutender als beide jedoch 
war Girolamo di Santacroce (1502-1537). Seine Arbeiten, wie die 
Statue des h. Antonius von Padua in der Kirche Monte Oliveto und zwei 
Grabdenkmale in S. Domenico maggiore (Kapelle S. Stefano) zeichnen 
sich ebenso durch liebenswürdige Naivetät, wie durch hohe und reine 
Schönheit aus,  Werke verschiedener Meister der ganzen Schule sind 
die Sculpturen der Kapelle Caracciolo in S. Giovanni a Carbonara und 
das kolossale Grabmal des spanischen Gouverneurs Pietro di Toledo in 
S. Giacomo degli Spagnlloli- 
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