Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696040
Oberitalien und Neapel. 
Die Meister von 
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und er stammte aus Lucca. 1 Drei Werke seiner Hand, sämmtlich nebst 
mehrern andern zu Bologna befindlich, stellen ihn den gediegensten 
Meistern der Zeit gleich: das eine ist eine figurenreiche und höchst wür- 
dig gehaltene Gruppe lebensgrosser Statuen, aus Thon, welche den Tod 
der heil. Jungfrau darstellen, im Oratorium della Vita (1519); das andre 
ein Relief der Auferstehung Christi, voll klarer, einfacher Schönheit, über 
einer Seitenthür von S. Petronio (1526); das dritte die Marmorreliefs am 
Untersatz der Arca in S. Domenico, geistvolle und schöne Miniatursculp- 
turen erzählenden Inhaltes. Frühere und sehr tüchtige Arbeiten in Thon 
sind von ihm die Halbfiguren der Apostel im Dom von Ferrara, die 
Gruppe der Kreuzabnahme in S. Pietro zu Bologna, vielleicht auch die 
Apostelköpfe in S. Giovanni in monte ebendaselbst.  Von Guglielmo 
Bergamasco findet sich in S. Giovanni e Paolo zu Venedig eine 
Marmorstatue der h. Magdalena, welche die reife Schönheit tizianischer 
Frauen in Stein darstellt und bei einer freilich nicht ganz plastischen 
Auffassung doch durch den grossen Reiz der Behandlung, z. B. der Hand, 
anzieht. 
Jacopo Tatti aus Florenz (1479-157O), der ursprünglich ein 
Schüler des Andrea Sansovino war und nach diesem gewöhnlich J acopo 
Sansovino genannt wird, hatte wesentlich unter dieser Inspiration einige 
beinahe grossartig naive Werke geschaffen: eine grosse Madonna in 
S. Agostino zu Rom und einen lebhaft bewegten Bacehus, jetzt in den 
Ufiizien zu Florenz, wozu noch als Werk der höchsten Anstrengung die 
Statue S. Jacobus d.  im dortigen Dome zurechnen sein möchte. In 
seinen spätcrn Arbeiten zeigen sich grosse Verschiedenheiten; einige sind 
im Charakter dieser früheren gehalten, andere oifenbaren einen unplasti- 
sehen, doch nicht unedeln Naturalismus der Auffassung, einige wenige 
auch den Einiluss Michelangelds. Diese zweite Epoche im Leben Jaco- 
po's begann, als er seinen Aufenthalt zu Rom (nach der Plünderung dieser 
Stadt durch die Franzosen, 1527) mit dem zu Venedig vertauscht hatte 
und hier durch zahlreiche Werke, sowie durch eine bedeutende Anzahl 
von Schülern, die seinen Styl nachzuahmen strebten, bis an seinen Tod 
den bedeutendsten Einfluss ausübte. Jedenfalls gehört Jacopo Sansovino 
nicht zu jenen einseitigen Nachahmern des Michelangelo, wie deren in 
der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts so viele auftauchten, die nur in 
der Uebertreibung der Einseitigkeiten des Meisters das Heil für die 
Kunst zu finden wähnten; im Gegentheil ist in seinen Arbeiten häufig 
eine zartere Formengebimg, eine eigenthümliche Liebenswürdigkeit zu 
bemerken, die ebensosehr, wie dem eigenen Sinne des Künstlers, eines 
Theils wohl den Nachwirkungen seines ursprünglichen Meisters, andern 
Theils dem allgemeinen künstlerischen Streben, in welches er zu Venedig 
eintrat, zugeschrieben werden muss. Unter den mannigfaltigen Werken 
seiner Hand, welche Venedig besitzt, sind besonders die in S. Marco, 
und unter diesen namentlich die reiche Bronzethür der Sacristei, hervor- 
11111611811; Sodann die theils Von ihm: theils von seinen Schülern gefertig- 
 
ad Alfonso 
1 O. Frediani, intorno 
blatt, 1835, Nro. 73.) 
Oitadella, 
etc. 
Schornüsohes Kunst-
        

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