Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696035
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ersten Hälfte d. 
Kunst in d. 
K. Die ital. bild. 
III. 
J ahrh. 
Sculptur. 
Art des 16. Jahrhunderts; zugleich jedoch wird in den Reliefs fort- 
während die perspectivisch gedachte, oft sehr überfüllte Anordnung bei- 
behalten. 
In diesem Bezuge ist hier zuerst Andrea Riccio von Padua, ge- 
nannt Brioseo, (1480-1532) anzuführen. Von ihm sind zwei der 
Bronzereliefs im Chore von S. Antonio zu Padua (zwischen den roheren 
Arbeiten des Vellano,  sie stellen den David vor der Bundeslade und 
Judith mit Holofernes dar), sowie die des (S. 249 erwähnten) grossen 
reichgeschmückten Kandelabers, ebendaselbst, gefertigt 1507; ausserdem 
eine Reihe von Bronzereliefs, welche, dem Grabmonumente der Torriani 
zu Verona entnommen, sich gegenwärtig im Museum von Paris befin- 
 den, und vier bronzene Hochreliefs vom J. 1513, die Findung des wah- 
ren Kreuzes darstellend, in der Akademie zu Venedig. Alles dies sind 
Arbeiten, die mehr oder weniger, eine geistvoll lebendige, selbst zarte 
Aufnahme und Aneignung antiker Elemente erkennen lassen, zugleich 
jedoch durchgängig an malerischer Ueberfüllung, theilweise auch an Hauer 
Behandlung leiden. 
Sodann ist hier abermals die Familie der Lombardi zu erwähnen, 
deren spätere Arbeiten entschieden das Gepräge eines freiern und gross- 
artiger-n Styles tragen. Das anmuthvollste Werk ist der grosse Bronze- 
Altar in der Kapelle Zeno von S. Marco (1505-1515); hier ist die Nach- 
ahmung der Antike minder einseitig; namentlich die Statue der thronen- 
den Madonna, welche zwischen denen des h. Petrus und des Täufers 
Johannes diesen Altar schmückt, ist von einer stillen Anmuth, einer ern- 
sten Lieblichkeit, die an die Werke des Andrea Sansovino erinnert. In 
der Grewandung hat das überzierliche, feine Faltenwerk der frühern 
lSeulpturen hier einem ernsten, selbst grandiosen Wurf den Platz ge- 
räumt. Als die Urheber dieses Werkes werden Pietro und Antonio Lom- 
.bardi, und neben ihnen Alessandro Leopardo genannt; dem letzte- 
ren, dessen frühere Werke wir bereits (8.249) erwähnten, dürfte die 
Erfindung des Architektonischen an jenem Monumente zuzuschreiben sein.1 
Sodann gehören hieher diejenigen Marmorreliefs, welche Antonio und 
Tullio Lombardo (bis 1525) für die Kapelle del Sänto in S. Antonio 
zu Padua arbeiteten; bei grosser, selbst idealer Schönheit einzelner 
Theile und dramatisch lebendiger Oomposition beider Künstler hat An- 
tonio hier den Vorzug einer naivern Aneignung der antiken Darstellungs- 
weise. (Ein späteres Mitglied der Familie, Tommaso Lombard o, er- 
scheint in seiner Gruppe der hl. Familie in S. Sebastiano zu Venedig, 
und in seiner Statue des h. Hieronymus, in S. Salvatore, als ein nicht 
sehr bedeutender Nachfolger J. Sansovinds).  Ein anderer, etwas jün- 
gerer Künstler von ähnlicher Richtung wird gewöhnlich mit dem Namen 
A1f0 1150 Lombardi, und als ein Ferrarese bezeichnet; vermuthlich erhielt 
er seine Ausbildung bei einem der Familie der Lombardi, die sich in 
Ferrara aufhielten; sein eigentlicher Name war Alfonso Cittadella, 
1 J. Burckhardt vermuthet, dass dem Leg h   
  pardo am e esten dle vorzug- 
äälgiaglaällfääälsetztläöääfgntäem Altar und dle Statuetten der Tugenden am 5m.
        

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