Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1696003
Meister von Florenz. 
Die 
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Vor seinem Tode (1513) liess Julius II. dasselbe nach einem kleineren 
Maassstabe neu entwerfen, und hievon, wie es scheint, ist der Entwurf, 
der manches Aehnliche mit jenem ersten hat, auf unsre Zeit gekommenß 
Aber auch diese Arbeit kam ins Stocken, da Michelangelo aufs Neue zu 
andern Werken schreiten musste. Wieder wurde der Plan verändert und 
eingeschränkt, und erst 1545 ward das Werk, in S. Pietro ad Vincula 
zu Rom, aufgestellt. So darf es nicht befremden, wenn dasselbe einen 
wenig erfreulichen Eindruck macht. Die bedeutendste Statue desselben, 
die des Moses, auf jenegrossartigere Anlage berechnet, steht ausser 
allem Verhältniss zu der kleinlichen Architektur; ihre höchst ungünstige 
Stellung setzt die Mängel, die ihr bei aller Mächtigkeit eigen sind, na- 
mentlich ein gewisses Haschen nach Effekt, in ein sehr grelles Licht. 
Ausser dieser Statue sind noch zwei andre, die der Rahel und Lea (hier 
wieder als thätiges und beschauliches Leben gefasst) von Michelangelds 
Hand, doch weniger bedeutend. Die übrigen Statuen des Monumentes 
rühren" von verschiedenen seiner Schüler her.  Zwei (unvollendete) Sta- 
tuen gefesselter Männer von Miehelangelds Hand, gegenwärtig im Mu- 
seum von Paris, waren ohne Zweifel für dasselbe Denkmal, in seiner 
ersten oder zweiten Anlage, gearbeitet. Die Statue des Jüngern ist von 
grossartiger hinreissender Schönheit, die des Aeltern dagegen in der 
Stellung etwas gezwungen und wahrscheinlich bedeutend verhauen. 
Eine zweite grosse Arbeit im Fache der Sculptur wurde dem Michel- 
angelo durch Leo X. (gest. 1521) übertragen; diese betriffft die Grabdenk- 
male zweier Verwandten des Papstes, seines Bruders Giuliano de" Medici 
und seines Neffen, Lorenzo, Herzogs von Urbino. Auch diese Arbeit 
wurde mehrfach unterbrochen und kam erst in den letzten Jahren des 
Papstes Clemens VII. (1523-34, wie Leo aus dem Hause Medici) zur 
Vollendung. Die Monumente befinden sich in der Sakristei von S. Lorenzo 
zu Florenz; sie enthalten, in Wandnischen, die Statuen der genannten 
Herren, darunter die Sarkophage, auf denen je zwei nackte Gestalten 
von allegorischer Bedeutung, Aurora und Abend, Nacht und Tag, ruhen. 
(Sie passen aber nicht völlig zu der Form der Sarkophage, was ohne 
Zweifel wieder aus einer Veränderung des ursprünglichen Planes her- 
rührt.) Die Statue des Lorenzo, in tiefem Sinnen dasitzend,  daher 
von den Italienern treffend „der Gedanke", ilpensiero, benannt,  ist 
als Michelangelds Meisterwerk im Fache der Sculptur zu bezeichnen; 
sie erscheint durchaus edel, in ihrer Stellung bedungen, klar und gemäs- 
sigt. Unter den nackten Figuren ist besonders die der Aurora hervorzu- 
heben; sie hat in der Bewegung ihrer Glieder einen mächtigen Rhythmus, 
einen grossartig architektonischen Schwung, der das, was oben als Miche1- 
angelols Eigenthümlichkeit bezeichnet ist, in edelster Weise offenbart. 
Die übrigen Statuen sind weniger-anziehend, zum Theil unvollendet, zum 
Theil wieder nicht frei von jenem Streben 113011 Effekt, so dass z. B. der linke 
Ellbogen über das rechte Bein gestemmt ist. Von grossartigem Ausdruck 
ist dagegen eine in derselben Kapelle beündliche Statue der Madonna 
mit dem Kinde, welche leider unvollendet geblieben ist,  Zu den 
dükgincourt , Soulptur, 
A. bei 
1 Abgebildet u.
        

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