Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695903
Die umbrische Schule. 
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handwerksmässiges Wesen über; Perugino bildet die Typen eines inner- 
lich bewegten Grefühles äusserlich conventionell nach und bringt somit, 
in den hiehergehörigen Werken, eine sehr unerfreuliche Wirkung her- 
vor. So u. A. der h. Sebastian in S. Francesco zu Perugia (1518) und 
ein Freskobild der Pieta (1521) im Dom von Spello. 
An Perugino schliesst sich eine bedeutende Anzahl von Gehülfen 
und Schülern an, welche seine Darstellungsweise mit grösserem oder ge- 
ringerem Talent aufnahmen. Manche von diesen gingen in späterer Zeit 
jedoch zu jener frei ausgebildeten Richtung der Kunst über; unter ihnen 
der vorzüglichste Zögling Peruginds, Rafael Santi, dessen höhere 
Entwickelung zugleich auf die seiner Schulgenossen mannigfach nach- 
wirkte. (Von den Werken, die er in der Richtung des Perugino gelie- 
fert "hat und die zu den anmuthigsten Blüthen der umbrischen Schule 
gehören, wird weiter unten, bei der Betrachtung seiner selbständigen 
Thätigkeit, die Rede sein.) Nächst Rafael sind hier vornehmlich her- 
vorzuheben: Andrea di Luigi aus Assisi, genannt Plngegno, mehr 
Gehülfe und Mitstrebender als Schüler des Perugino, dem letzteren sehr 
verwandt, doch mehr monoton im Gefühle; eigen ist ihm eine grössere 
Derbheit in der Kopfbildimg seiner Gestalten. Als Hauptwerke, die man 
ihm mit Wahrscheinlichkeit zuschreibt, sind zu nennen: eine sehr ausge- 
zeichnete Madonna in der Kapelle des Conservatoren-Palastes auf dem 
Kapitol zu Rom; eine ganz ähnliche über dem Thor S. Giacomo zu As- 
sisi; ein kleines Madonnenbild im Kloster S. Andrea zu Assisi und 
eine grosse h. Familie im Louvre-Bernardino di Betto aus Peru- 
gia, genannt il Pinturicchio, ebenfalls mehr Gehülfe als Schüler; dem 
Perugino an Zartheit und Innigkeit sehr nahe stehend, verfällt er doch 
häuüg, zumal in späterer Zeit, in oberflächliche Manier. Zu seinen bes- 
seren Arbeiten gehören zunächst mehrere Fresken in Rom: in einer 
Kapelle von S. M. Araceli (Geschichte des h. Bernardin von Siena) und 
diejenigen im Dom von Spello. (Geringer sind diejenigen in S. Maria 
del Popolo und in den Zimmern des Appartamento Borgia, im Vatican, 
letztere jedoch durch ungemein prachtvolle Arabesken anziehend). Dann 
ein höchst vollendetes Madonnenbild in der Sakristei von S. Agostino zu 
San Severino und die Tafeln eines ähnlich gediegenen Altarwerkes in 
der Akademie von Perugia. Ein umfangreiches und sorgfältiges Werk 
sind sodann die Fresken aus dem Leben des Papstes Pius II. in der Lib- 
reria des Domes von Siena, darunter zwei nach Zeichnungen Rafaels 
ausgeführt (um 1503).'  Mit Pinturicchio ist öfters sein unbedeutende- 
rer Landsmann Bernardino Perugino (malte von 1498-1524) ver- 
wechselt worden, von welchem das Louvre zu Paris ein aus S. Frau- 
Cesco zu Perugia stammendes Bild besitzti  Sehr bedeutelid ist ferner 
Giovanni, genannt lo Spagna (der Spanier); mehrere Arbeiten seiner 
Hand, die sich zu Trevi vorfinden (namentlich in und an S, Martino, 
 
O ljiaooolta delle_ piü celebri pitturgpsistenti nella oittä di Siena.  2 Vergl. 
 Mundlefv E9931 (Vune analyße ßnhque de 1a notice des tableaux italiellß du 
Louvre. p. 167. 
K11 gler, Handbuch der Kunstgeschichte, II. 21
        

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