Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695831
314 
Kap 
Kunst im 
bild. 
Die ital. 
Jahrh. 
Malerei. 
mag hier noch ein Bild des Christusleichnams mit drei Engeln, in der 
k. k. Galerie zu Wien, genannt werden. 1 
Unter solchen Umständen bildete sich die venetianische Malerei in 
der späteren Zeit des 15. Jahrhunderts zu hoher Anmuth aus. Vieles 
blieb, für das Aeussere der Darstellung, von den Paduanern beibehalten, 
namentlich ein gewisses antikisirendes Element in der räumlichen Anord- 
nung der Altarbilder, in der Darstellung der Engel als nackter Flügel- 
knaben u. dergl. Von den Niederländern nahm man jene lebenvollere 
Behandlung der Nebendinge, namentlich des landschaftlichen Theiles der 
Gemälde, auf, und man führte diese Gegenstände zumeist in einer WVeise 
aus, dass die Darstellung dramatisch-historischer Vorgänge bereits in das 
Gebiet des sogenannten Genre hinüberstreifen musste. Die Schule offen- 
bart ihren Genius schon ganz vollständig, indem sie den Hauptnachdruck 
auf die Darstellung eines schönen, glücklichen und würdevollen Daseins 
legt und hiedurch nicht sowohl einen himmlischen, als einen festlich-idea- 
len oder froh-gemüthlichen Eindruck hervorbringt. Auch ihre blühende, 
wenn auch oft noch spielende Färbung trägt hiezu wesentlich bei.  
Die Kirchen und Sammlungen Venedigs enthalten die wichtigsten Bei- 
spiele der damaligen Schule; ausserhalb bietet besonders das Berliner 
Museum eine bedeutende Folge werthvoller und zumeist durch Inschrift 
beglaubigter Bilder dar.   
Der vorzüglichste Meister dieser Schule, in dessen Bildern sich die 
ebengenannten Eigenschaften auf die anziehendste Weise spiegeln, ist 
Giovanni Bellini (1426-4516). Seine erste Bildung verdankt er der 
Schule von Murano; dann ging er mit dem Vater früh nach Padua, wo 
sein Schwager Mantegna so mächtig auf ihn wirkte, dass seine früheren 
Bilder häufig für Mantegna gelten. Der Ausdruck, bald eines milden 
Ernstes, bald einerikindlich stillen Heiterkeit, macht ihn ungemein lie- 
benswürdig. Hauptwerke von ihm in den Sakristeien der Kirchen S. M. 
de' Frari (1488), und del Redentore, in S. Giovanni e Paolo, in S. Zac- 
caria (1505), in S. Salvatore (Christus in Emmaus feierlich und grossar- 
tig, dabei von vollendeter Farbenpracht), in S. Giovanni Chrisostomo 
(1513), in den genannten Sammlungen, im Dom zu Trau in Dalmatien 
(1489) u. s. w.  Der ältere  Bruder des Giovanni, Gentile Bel- 
lini (1421 oder 1427-1501), hat eine etwas mehr alterthümliche Rich- 
tlmg und geringere Tiefe des Charakters. (Akademie von Venedig und 
Brera von Mailand.)  Ein trefflicher Meister, der dem Gio. Bellini 
zur Seite steht, doch um ein Weniges mehr zur Richtung des Bartolom- 
meo Vivarini hinneigt, ist Marco Basaiti. (Akademie und S. M. de' 
Frari zu Venedig.) 
Eine grosse Menge von Schülern und Nachfolgern schloss sich an 
Giovanni Bellini au; einige von diesen, wie Giorgione und Tizian, ent- 
1 Ueber Allüüllßllo s. deutsches Kunstbl. 1851, S. 421.  Antonellds Bilder 
sind häufig verkanntf so findet sich ausser einem bezeichneten Männerbildniss 
von grösster Schönheif und Vollendung in der Sammlung des verstorbenen (im- 
fen Pourtales zu Pans, und einem andern im Besitz des Marchcse Trivulzi in 
Mailand, ein gänzlich verkanntes im Pal. Oorsini zu Florenz, ebenso im Pal. 
Borghese zu Rom und beim verstorbenen Grafen Lochi bei Berg amo.  O. M.
        

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