Volltext: Handbuch der Kunstgeschichte (Bd. 2)

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Kalb 
Die ital. bild. Kunst im 
J ahrh. 
Malepei. 
In Venedig wurde, in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, die 
Richtung der paduanischen Schule mit grosser Entschiedenheit zunächst 
von Bartolommeo Vivarini aufgenommen. Ein jüngerer Bruder des 
früher genannten Antonio Vivarini, steht er gegen das alterthümliche, 
aber zu einer weichen und schmelzenden Anmuth durchgebildete Streben 
desselben in völligem Widerspruch; seine Zeichnung ist scharf und streng, 
in der ganzen Einseitigkeit der Paduaner, seine Färbung nicht immer 
erfreulich; dagegen führt er eine lebenvolle Charakteristik in die venetia- 
nische Kunst ein, auch fehlt es ihm im Einzelnen nicht an einer höheren 
Würde. Das früheste von ihm bekannte Bild vom J. 1450 in der Pina- 
kothek zu Bologna hat er gemeinschaftlich mit seinem Bruder Antonio 
ausgeführt. Andre Werke seiner Hand sind in den Kirchen und Samm- 
lungen von Venedig (S. M. de' Frari, S. Giov. e Paolo, Akademie etc.) 
nicht selten.  Aehnlieh, zuweilen noch härter, dabei aber durch den 
Reichthuin der Beiwerke, durch das Bedeutsame, Charaktervolle seiner 
Gestalten, das nur zuweilen in Verzerrung ausartet, höchst anziehend, 
erscheint der sicher in der Schule von Murano gebildete Carlo Crivelli, 
dessen farbenglühende Hauptbilder in der Brera zu Mailand vereinigt 
sind. Andres von ihm in Ascoli (Madonna mit Heiligen in der Kathe- 
drale; ebendort ein Christus am Kreuz; in S. Gregorio eine Madonna 
v. J. 1471.)1  Luigi Vivarini, ein jüngerer Meister der Familie die- 
ses Namens, entwickelt sich dagegen aus derselben Richtung heraus be- 
reits zu einer freieren Anmuth. (Bilder in S. Maria de' Frari und in der 
Akademie)? Bei Fra Antonio da Negroponte erscheint der Styl 
ebenfalls durch Milde gemässigt. (Hauptbild in S. Francesco della Vigna.) 
Indess ward jene einseitige Aufnahme der paduanischen Bestrebungen 
in Venedig bald auf erfreuliche Weise gemildert und zu einer neuen 
und eigenthümlichen Entwickelung durchgebildet. Ohne Zweifel haben 
zu diesem Umschwung wieder Einwirkungen mannigfacher Art beigetra- 
gen. Der Einiiuss des Gentile da Fabriano, der mit dem alten Jacopo 
Bellini eng befreundet war, ist nicht gering anzusclilagen. Besonders aber 
übte einen wesentlichen Einfluss, wie es scheint, der Zustand der dama- 
ligen Handrischen Malerei aus; wir sind einer solchen Wirkung bereits 
bei den Florentinern begegnet, in Venedig tritt derselbe viel unmittel- 
barer und auffälliger hervor. Als Träger desselben erscheint hier ein 
besondrer Meister, Antonello von Messina, der sich gegen die Mitte 
des 15. Jahrhunderts nach Flandern zu Johann van Eyck, dem Haupt- 
meister der dortigen Schule, begeben und bei ihm ausgebildet hatte, und 
der sich nachmals inVenedig niederliess. Er brachte mit sich jene liebe- 
volle, auf eine Art von Illusion berechnete Behandlung aller derjenigen 
Umgebungen des Lebens, welche die Handrischen Künstler in den Bereich 
der bildlichen Darstellung zu ziehen für gut fanden; zugleich aber auch 
1 In Ascoli thätig war auch ein Schüler CrivellPs, Pietro Alamanni, von 
welchem in S. Giacomo daselbst eine Madonna mit Heiligen, in S. Maria della. 
Caritä ebenfalls eine Madonnentafel vom Jahr 1489; ähnliche Bilder in S. Croce, 
S. Angele Oustode und S. Domenico, wo der Maler sich als Schüler OrivellPs be- 
zeichnet; vergl. Schulz, Unteritalien.  2 Ein kostbares Bildchen seiner Hand 
in der Pinakothek zu München wird dort Mantegna genannt.  0. M.
	        
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