Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695807
oberitalienischen 
Die 
Schulen. 
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tafeln gemalt, namentlich ein schönes Altarblatt mit der Darstellung; des 
gekreuzigten Heilandes (1490); andre seiner Werke sieht man in mailän- 
dischen Kirchen, in S. Ambrogio, in S. Simpliciano, in S. Eustorgio; zwei 
ausgezeichnete Tafeln im Museum zu Berlin.  Noch gehört hieher ein 
andrer Mailänder Künstler, vom Ende des 15. Jahrhunderts, Giov. Do- 
nato Montorfano, ein Schüler Foppais, von dem man im Refektorium 
von S. Maria delle Grazie zu Mailand, dem Abendmahl Leonardds gegen- 
über, das gut erhaltene grosse Freskobild einer figurenreichen dramatisch 
bewegten Kreuzigung vom J. 1495 sieht. 
Gleichzeitig entwickeln sich die Anfänge der Schulen von Cremona 
und Pavia, in ersterer der bedeutende Fazio Bembo di Val d'Arn0, 
der im J. 1464 an einem Pfeiler der Kirche S. Agostino. zu Cremona 
die lebensgrossen knieenden Bildnisse des Francesco Sforza und seiner 
Gemahlin Bianca Visconti in einer dem Picr della Francesca und Melozzo 
da Forli verwandten Weise malte. Ihm folgen Boccaccio Boccaccino, 
Tommaso de Aleni, genannt il Fadino, Altobello Melone u. A. 
 In Pavia Pier Francesco Sacchi, von dem ein Gekreuzigter vom 
J. 1514 in Berlin, ein Bild vom J. 1516 im Louvre zu Paris. Aelteres 
zum Theil in Genua, Savona u. s. w. Ferner Lorenzo di Pavia (Bild 
vom J. 1513 im Louvre) u. a. m. 
Bei andern lombardischen Meistern, deren Blüthe um den Schluss 
des 15. Jahrhunderts fällt, tritt die Richtung auf tiefere Gemüthlichkeit 
und Innigkeit des Ausdruckes noch mehr, im Einzelnen hie und da mit 
starker Uebertreibung, oft aber auch auf sehr bedeutsame Weise hervor. 
So bei Giovanni Massone von Alessanclria und Francesco Bianchi 
Ferrari (genannt il Frari, gest. 1508) von Modena. Von jedem dieser 
Meister sieht man ein treifliches Altarwerk im Pariser Museum?  So 
auch bei den Werken des Piemontesen Macrino d'Alba ('um 1500);  
Hauptwerk vom J. 1496 in der Oertosa bei Pavia; mehreres in der Ga- 
lerie von Turin; ein Bild im StädePschen Institut zu Frankfurt a. M.;  
der Mazzuoli, besonders des Filippo Mazzuoli, zu Parma; von letz- 
terem sind u. a. einige Bildnisse in der Brera zu Mailand, im Pal. Doria 
zu Rom und im Museum von Neapel vorhanden, von herbem Realis- 
mus aber tiefem Ausdruck und tüchtig in der Zeichnung.  Als die vor- 
züglichsten Meister dieser Richtung erscheinen jedoch die Brüder Alber- 
tino und Martino Piazza von Lodi. Sie arbeiteten meist gemeinschaft- 
lich, Albertino ist der ältere und mehr alterthümliche, Martino der 
jüngere, melu ausgebildete und genialere; die Theile ihrer Werke, die 
dem letzteren zugeschrieben werden müssen, entwickeln mehrfach eine 
Schönheit und Anmuth, welche der vollendeten Meister des 16, Jahrhun- 
derts würdig sind. Ihre vorzüglichsten Arbeiten sind: das Altarwerk in 
der Kirche delPIncoronata zu Lodi (Kapelle des h. Antonius); das in der 
Kirche S. Agnese zu Lodi; und vornehmlich das des Hauptaltars der 
Kirche dell" Incoronata zu Oastione oder Castiglione, drei Stunden von 
Crema belegen. 
1 Waagen, Kuustw. und Künstler in Paris, S. 420.
        

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