Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695783
Schulen. 
Die obenitalienisehen 
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seiner mittleren Zeit sich auffallend an Francia und dann an Perugino 
anlehnt.  Dann gehört zu den Nachfolgern der paduanischen Schule 
Melozzo da Forli, welcher zugleich als Schüler des Pier della Fran- 
cesca bezeichnet wird. Sein Hauptwerk war eine Darstellung der Him- 
melfahrt Christi (1472), in SS. Apostoli zu Rom, an der Decke einer 
Kapelle gemalt; bei dem Umbau der Kapelle wurden einige Stücke des- 
selben, die sich durch die kühne Zeichnung verkürzter Gestalten, durch 
höchst naturgetreue Formenangabe und durch grossartige Schönheit und 
Grazie auszeichnen, in den Palast des Quirinals und in die Sakristei 
der Peterskirche gebracht. Ein andres Frescobild, die Ernennung 
Platina's zum Bibliothekar durch Sixtus IV. vorstellend, in der Galerie des 
Vaticans, ist merkwürdig hart undrscharf in den Formen, dabei von 
trüber Färbung. 
Auch in der Lombardeig vornehmlich in Mailand, fand die padua- 
nische Schule mannigfache Nachfolge. In diesem Betracht sind zu nen- 
nen: Vincenzo Foppa der ältere, (gest. 1492) aus Brescia (Martyrium 
des h. Sebastian in der Galerie der Brera zu Mailand, aus seiner spä- 
teren Zeit; vom Jalu 1456 dagegen das beste von ihm bekannte Werk, 
eine kleine Kreuzigung in der Akademie von Bergamo; ausserdem zahl- 
reiche Wandgemälde in einem Saale des ehemal. Klosters S. Barnaba zu 
Brescia (jetzt Druckerei). Sein Einfluss auf die Schulen seiner Vater- 
stadt, von Mailand, Orema und Treviglio war bestimmend; so war er 
auch der Lehrer der beiden Hauptrneister von Treviglio, Bernardino 
Buttinone und Bernardino Zenale, welche im Jahr 1507 in der 
Pfarrkirche zu Treviglio ihr Hauptwerk, eine grosse, zusammengesetzte 
Altartafel, früher aber in S. Pietro in Gessate zu Mailand einen Cyclus 
von Fresken (in der zweiten und dritten Kapelle links) ausführten. But- 
tinonels bestes bekanntes Bild ist eine kleine überaus zierlich durchge- 
führte Madonna mit Heiligen und Engeln auf Isola Bella. Weniger selten, 
manchmal bezeichnet, häufig aber verkannt, sind die Bilder von Zenale. 2 
 An jenen gemeinsamen Arbeiten dieser beiden Künstler scheint auch 
der Maler und Baumeister Vincenzo Civerchio aus Orema Theil zu 
haben, der bis gegen 1535 thätig war und mit Unrecht als ihr Lehrer 
angesehen wird. "Ausser seinen Fresken in Palazzolo ist eins seiner 
Hauptwerke eine Pieta in S. Alessandro, dann ein ähnliches, fälschlich 
dem Giov. Bellini zugeschriebenes Bild in S. Giov. Evang, zu Brescia; 
Andres V0I1i11min Orema.  Als Nachfolger des Zenale endlich ist 
noch der sehr schwache Bernardino dei Conti zu nennen, als Nachfol- 
ger Foppafs Fioravante Ferramola (Verkündigung über dgjn Haupt- 
portal der Kirche del Oarmine zu Brescia). 
Von dem vorzüglich gerühmtenThiermaler Michelino, sowie von 
Agostino di Bramantino  dessen ganze Existenz zweifelhaft, kennt 
man nichts Sicheres; ebensowenig von den im Mailändisclien ausgeführten 
1 Passavant, Beiträge zur Geschichte der alten Malerschulen in der Lombar- 
dei; Kunstblatt, 1333, NO- 66a ff-  2 Das grosse schöne Bild mit der Familie 
ü; Lodogiccälßforza in der Brera zu Mailand wird ihm mit Unrecht zugeschrie-
        

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