Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695779
308 
Kap. 
bild. Kunst im 
ital. 
Die 
i. Jahrh. 
Malerei. 
Cyclus von Wandgemälden hervorzuheben, die von A. Mantegna und 
andern Schülern Squarcionds (Buono aus Ferrara, Ansuino aus Forli, 
und Niccolö Pizzolo) in der Kirche der Eremitani zu Padua, Kapelle 
der hh. Jakob und Christoph, ausgeführt sind und Geschichten der eben- 
genannten Heiligen enthalten. Dann, ebenfalls aus seiner früheren Epoche, 
das grossartige Altarwerk über dem Hauptaltare von S. Zeno zu Verona, 
wovon die Predellen sich im Louvre zu Paris und im Museum zu Tours 
befinden; eine Pieta (Christusleiclmam zwischen zwei Engeln) imBerliner 
Museum, voll der tiefsten Empündung und hohen Adels; die „Madonna 
della Vittoria" (1495) im Pariser Museum, ein Altarbild mit der Jung- 
frau und dem Kinde, verschiedenen Heiligen und dem knieenden Stifter 
(dem Marchese Gio. Fr. Gonzaga von Mautua), ein Werk von grossartiger 
Poesie und meisterlicher Vollendung; das kostbare Altarbild in der Tri- 
buna der Uflizien zu Florenz, mit der Anbetung der Könige, Beschnei- 
dung und Auferstehung, miniaturartig fein durchgeführt; u. a. m. 
Andre Schüler des Fr. Squarcione erscheinen geringer; so Gregorio 
Schiavone, sehr zierlich im Einzelnen, aber manierirt, unschön, selbst 
barock in den Hauptsachen (Altarbild in der Nat.- Galerie zu Lond on). Ihm 
verwandt erscheint Marco Zoppo von Bologna ebendort in einem Bild- 
chen des h. Dominicus aus der Sammlung Costabili zu Ferrara; weniger 
gelungen die thronende Madonna mit zwei Heiligen (1471) im Museum 
zu Berlin.  Sodann Endet eine bedeutende Einwirkung der paduani- 
sehen Schule auf eine Anzahl ferraresischer Künstler statt, womit sich 
indess andre Einflüsse toskanischer Meister kreuzen, so dass die Schule 
von Ferrara schon zeitig zu einer Verschmelzung verschiedener Richtun- 
gen gelangt. Ueber Stefano da Ferrara ist nichts Gewisses zu sagen, 
da die in Ferrara ihm zugeschriebenen Bilder eine spätere Hand zeigenß 
Sodann gehört hieher Galasso Galassi, der Meister und Vorgänger des 
Cosimo Tura, gen. il Cosme. Bei letzterem tritt ein den Ferraresen 
eigener phantastischer Zug hervor, der sich bisweilen ins Ueberladene 
und Geschmacklose verirrt. Eins seiner besten Bilder bei Sir Charles 
Eastlake in London; andres in der Sammlung Costabili zu Ferrara; 
zwei treffliche Orgelflügel (ehemals), im Dom daselbst. Ausserdem eben- 
dort beträchtlich manierirte Fresken im Pal. Scandiana (Schifanoja). "Z 
Ungleich bedeutender ist Francesco Oossa, der in Bologna thätig 
war, und von dem die dortige Pinakothek ein grossartiges Altarbild der 
Madonna in throno mit dem hl. Johannes, dem hl. Petronius und dem 
knieenden Stifter v. J. 1474 besitzt. Aus seiner Schule ging Lorenzo 
Costa hervor, ein liebenswürdiger Meister, der bei einer grossen Gabe 
der Aneignung in seiner Jugend dem Mantegna und noch mehr dem 
Tura folgt (ein S. Sebastian in der Sammlung Oostabili zu Ferrara), in 
 
1 In der Brera. zu. Mailand schreibt man ihm zwei grosse Altnrbilder zu, 
darunter das eine von hoher Schönheit und Grossartigkeit. Es scheint aber nicht 
vor 1480 entstandelnund hälti die Mitte zwischen Mantegna und Lor. Oosta in 
Seiner Schönste" Welse-  0- M-  2 Viel edler, meisterlich bestimmt in den 
Formen, von grosser Naturwahrheit und von trefüicher Färbung erscheint der 
zweite, sicher von Pier della Francesca. angeregte Meister, der dort gemalt hat, 
und den ich als den älteren Ercole di Ferrara bezeichnen möchte. RO. M.
        

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