Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695759
306 
Kap 
Die ital. bild. Kunst im 
J ahrh. 
Malerei. 
Maler, die nicht blos in Venedig (vgl. S. 179 u.  sondern auch in Padua 
und an anderen Orten thätig waren, erheblichen Einfluss geübt haben. l 
Nunmehr tritt jedoch eine völlig entgegengesetzte Richtung ein, und zwar 
eine solche, die von dem Studium der antiken Sculptur und der Perspec- 
tive ausgeht und damit einen oft herben Realismus verbindet. In der 
späteren Zeit des Jahrhunderts aber taucht jene ursprüngliche Richtung, 
obschon geläutert und umgebildet durch die ebengenannten Bestrebungen, 
wieder empor und gestaltet sich, je nach den verschiedenen Landestheilen 
oder nach den Eigenthümlichkeiten der Künstler, in verschiedener Weise, 
theils zart gemüthvoll, theils in weicher Sinnlichkeit, theils in einem 
heiter anmuthigen Spiele. 
 Der wichtigste Herd der malerischen Thätigkeit ist für die entschei- 
denden Jahrzehnde gegen die Mitte des 15. Jahrhunderts Padu a. Hier 
wurde bereits, im Zusammenhangs mit der berühmten Universität, das 
Studium der Perspectivik nebst seiner malerischen Anwendung eifriger 
betrieben als selbst in Florenz; damit verband sich eine Art von Studium 
der antiken Sculptur, wobei man von der Idealität der Auffassung völlig 
absah, das Lebensprincip verkannte, aber dafür der Präeision der Dar- 
stellung und dem Reichthum des Dekorativen, sowie auch dem Oostüm 
und den Gegenständen sich nach Kräften anschloss. In der Folge mag 
auch Donatello durch seinen Aufenthalt und seine Arbeiten diesem pla- 
stischen Hang der paduanisehen Maler neue Nahrung gegeben haben. 
Als Gründer der Schule wird Francesco Squarcione (1394 bis 
1474) genannt, und von ihm erzählt, dass er eine bedeutende Sammlung 
von Denkmälern antiker Sculptur, behufs des künstlerischen Unterrichtes, 
angelegt habe, wofür er selbst eine Reise nach Griechenland machte. 
Sein Hauptverdienst scheint in diesem Unterricht bestanden zu haben; 
vielleicht das einzige ganz sichere Bild von ihm, mit ächter Namensbe- 
Zeichnung, ist eine Madonna mit dem Kind, beim Grafen Lazzara in Pa- 
dua, anmuthigj in den Charakteren und von einer Durchbildung in den 
Formen, die auf den Einfluss seines grossen Schülers Mantegna hinweistß 
Der vorzüglichste Meister, der aus der Schule des Francesco Squar- 
cione hervorgegangen, einer der edelsten und grossartigsten Künstler des 
15. Jahrhunderts, ist Andrea Mantegna (1431 bis 1506), aus Padua, 
später zu Mantua thätig. Seine früheren Bilder haben freilich noch 
etwas Mühsames, Strenges und Herbes; sie erscheinen, dem einseitig 
plastischen Studium gemäss, noch mehr wie mit dem Meissel als mit dem 
Pinsel gefertigt; die Farbe ist trocken und unerfreulich; das Streben 
nach scharfer Ausprägung des Charakters führte ihn, wie Donatello, noch 
über die Grenze des Schönen und Edeln hinaus. Als eins der bedeutend- 
 
1 Selvatieo in seinem Buche über Francesco Squaroione (Paduß 1839) 
nennt einen Giovanni Teutonico, einen Girolamo und Nieeolo von derselben Na- 
tion (1441), im folgenden Jahr einen Martino da. Colonia und RiZO (Heinrich) d" 
Alemagna, ebenso Giovanni d' Alemagna, dann 1445 Bartolommeo 11' Alemagna, 
u. s. w.  2 Das andre Bild derselben Sammlung, ein hl. Hieronymus, mit vier 
einzelnen Heiligen, letztere auf Goldgmnd, ist dagggen so alterthümlich, so 
trocken und reizlos, dass, wenn es wirklich von Squarcionds Hand,  in diesem 
Fall natürlich ein Jugendbild  eine bedeutende Kluft dazwischen liegt.  O. M.
        

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