Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695708
die Anbetung der Könige dar, auf den Seitenwänden sieht man den Zug 
der zur Verehrung herannahenden Könige, ein höchst ügurenreiches, von 
heiterem Leben durchdrungenes Werk. Vor Allem wichtig aber ist der 
colossale Cyclus seiner Wandgemälde, welche fast die ganze Nordwand 
des Campo Santo von Pisa erfüllen und die Geschichte des alten Testa- 
ments von Noah bis David enthalten, (gemalt 1469-1485). l In diesen 
Arbeiten tritt uns das Leben in reichster Fülle entgegen; den handeln- 
den Personen schliessen sich andre, thcils mit näherem Antheil an der 
Handlung, theils als Chöre von Zuschauenden an; je nach dem Gegen- 
stande des Bildes bauen sich in demselben reiche und mannigfaltige 
Architekturen auf, oder es wird der Blick in den bunten Wechsel der 
Landschaft hinausgeführt, und Beides, Baulichkeiten wie Landschaft, er- 
scheinen durch menschliche Gruppen oder durch spielende Thiere belebt. 
Alles trägt das Gepräge der reinsten, unbefangensten Heiterkeit, sowie 
das einer anziehenden zarten und keuschen Grazie.  Von Tafelbildern 
Benozzols ist ein bedeutendes im Louvre zu Paris vorhanden, eine Ver- 
herrlichung des h. Thomas von Aquino. Andres von seiner Hand findet 
sich, zum Theil unter fremden Namen, z. B. in München, 2 in London 
u. s. w.  Ein Schüler Benozzds ist Zenobio de" Macchiavelli, von 
dem das Louvre zu Paris eine Tafel vom J. 1473 besitzt; eine schöner 
durchgebildete ist vor kurzer Zeit von Florenz nach England gekom- 
men.  Gleichzeitig mit Benozzo malte 1469 der anziehende Meister 
Lorenzo da Viterbo, wahrscheinlich in florentinischer Schule gebildet, 
in einer Kapelle von S. M. della Veritä. seiner Vaterstadt das Leben der 
h. Jungfrau, wobei er mit besondrer Vorliebe häusliche Scenen und 
öffentliche Vorgänge mit den charaktervollen Gestalten seiner Zeitgenos- 
sen ausstattete. 
Auf die bildliche Darstellung der Umgebungen des Lebens, wie 
solche bei Benozzo Gozzoli hervortrat, scheint die flandrische Malerei 
(von der später) nicht ohne Einwirkung gewesen zu sein; wir wissen 
wenigstens, dass zu jener Zeit fiandrische Bilder in Italien mehrfach 
vorhanden und geschätzt waren; doch ist die Auffassung und Behand- 
lung bei Benozzo selbst gleichwohl eine wesentlich verschiedene. In 
andern Fällen aber sieht man auch ein bestimmteres Eingehen auf die 
flandrischc Richtung, so z. B. bei Alessio Baldovinetti (um 1450 
blühend). Von ihm rührt ein (unvollendet gebliebenes) Wandgemälde, 
WGICIISS ßillß Sßlßhe Neigung erkennen lässt, und worin die Nebensachen 
mit unglaublichem Fleiss ausgeführt sind, im Vorhbfe von S. Annunziata, 
zu Florenz 11811  Auch bei Alessids grossem Schüler Domenico 
Ghirlandajo (1451-1495, Sohn des Tommasso di Ourrado Bigordi) 
zeigen sich ähnliche Bestrebungen, wie namentlich bei seinem Fresko- 
bilde des h. Hieronymus in der Kirche Ognissanti zu Florenz (1480), in 
welchem die Nebendinge mit niederländischer Sorgfalt gemalt sind, Der. 
' Lasinio, Pitt. a fresco de! campo santo di Pisa.  2 Ein Altarbild mit le- 
bensgrossen Figuren in der Pinakothek zu München, unverkennbar von der 
Hand dieses Meisters und mit der Jahreszahl l4i8 bezeichnet, wird im Katalog 
dem „Giottino, geb. l324,_gest. 13m" zugeschrieben!  O. M.
        

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