Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695687
Schule. 
toscanische 
Die 
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mangelt doch eben diese Kindlichkeit, und statt ihrer tritt ein Zug von 
Gemeinheit empfindlich störend hinein; so ist auch die technische Aus- 
führung mehrfach ziemlich flüchtig. Als Hauptwerke von Filippds Hand 
sind anzuführen: die treiflichen Fresken im Chore des Domes von Prato, 
Geschichten des Täufers und des h. Stephan; die im Chore des Domes 
von Spoleto, mit Darstellungen aus der Geschichte der Maria; und eine 
Reihe grösserer und kleinerer Altartafeln, an denen besonders die Aka- 
demie von Florenz, auch die Galerie des Berliner Museums, reich 
sind. Ein grosses Altarbild der Geburt Christi im Louvre zu Paris. 
Schüler des Fra Filippo Lippi waren Fra Diamante und Pesel- 
lino (eigentlich Francesco di Pesello); von letzterem hat man zier- 
liche Predellen. Sodann Sandro Botticelli (eigentlich Alessandre 
Filipepi, 1447-1515); auch er, wie sein Meister, durch Sinn für weiche 
Anmuth, sowie durch eine lebhaft bewegte Phantasie ausgezeichnet, doch 
nur in den Werken seiner früheren, besseren Zeit, während seine späte- 
ren Arbeiten ein nüchtern handwerksmässiges Gepräge haben. Fresken 
von ihm sieht man in der sixtinischen Kapelle des Vatieans zu Rom 
(28 Gestalten heiliger Päpste und drei grosse Wandgemälde, Moses, der 
die Aegypter tödtet, die Rotte Korah und die Versuchung Christi); Altar- 
tafeln in verschiedenen Galerien, vorzüglich schöne und anziehende in 
den Ufiizien zu Florenz. Einzelne Tafeln seiner Hand, auf denen er 
Gestalten der antiken Mythe, namentlich die Gestalt der Venus, darge- 
stellt hat, sind von eigen phantastischem Reiz.  Des Sandro Schüler 
war Filippino Lippi, der Sohn des Fra Filippo (1460-1505). Die 
Richtung seiner Vorgänger vererbte sich auch auf ihn; doch übertraf er 
seinen Vater und seinen Lehrer in den höhern Bezügen der historischen 
Composition durch grössere Unbefangenheit, Würde und dramatische Be- 
lebung, sowie durch eine ernste, fast rührende Anmuth seiner weiblichen 
Köpfe. Sein frühstes und schon höchst vorzügliches Werk sind die 
Fresken, die er, zur Beendung des früher Begonnenen, in der Kapelle 
Braneacci (Kirche del Carmine) zu Florenz, neben den Arbeiten des 
Masolino und Masaccio, ausführte; minder bedeutend, doch im Einzelnen 
sehr beachtenswerth, andre Fresken in S. Maria sopra llIinerva, in Rom; 
das Hauptwerk die zwei grossen Fresken aus der Apostelsage in S. Maria 
novella zu Florenz (Capella Filippo Strozzi).  Tafelbilder seiner Hand, 
von verschiedenem Werth, sieht man an mehreren Orten; das schönste 
in der Badia zu Florenz; Andres in den Uffizien, Vopzügliches in der 
Nat.-Galerie zu L o n d 0 n. 
Zwei bemerkenswerthe Meister dieser Periode gelten, was ihre frü- 
here Bildung betrifft, als Schüler des Fra Giovanni da Fiesole, und sie 
haben beide, obgleich sie sich naehmals von dessen Richtung äb- und 
der des Masaccio zuwandten, doch eine gewisse Zartheit beibehalten, die 
Ziemlich bestimmt auf ihre ursprüngliche Schule zurückdeutet. Die Blüthe 
beider fällt in die zweite Hälfte des Jahrhunderts. Der eine von ihnen 
ist Cosimo Rosselli. Das Hauptwerk dieses Künstlers ist ein Wand- 
gemälde in S. Ambrogio zu Florenz (1456), die Uebertragung eines 
Wunderthätigen Kelches aus der Kirche nach dem bischöflichen Palaste 
von Florenz, mit einer Menge zuschauenden Volkes, darstellend. Einige
        

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