Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695637
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KaP' 
bild. 
Die ital. 
im 
Kunst 
15. Jahrh. 
Sculptur. 
der Gegend enthalten besonders die mailändischen (der Dom, S. Maria 
delle Grazie u. a.) und der Dom von Como Werke dieser Meister; der 
letztere überdies noch Sculpturen des Architekten Tommaso Rodari. 
 Ausserdem blieben in Oberitalien die grossen bemalten Thon- 
gruppen in Uebung, welche in der Regel die Trauer um den Leichnam 
Christi und andere Scenen der Passion darstellen und durch grellen Aus- 
druck und unbedingten Naturalismus auf die Rührung des Volkes berech- 
net waren, gleichwohl aber durch ihre kräftige Charakterfülle zu den 
höhern Kunstgattungen gehören. Speciell war dafür berühmt Guido 
Mazzoni, von seiner Heimath Modena zubenannt Modanino, dessen 
Gruppen in S. Giovanni decollato und im Dom von Modena, sowie in 
der Kirche Monteoliveto zu Neapel das Aeusserste der Wirklichkeit er- 
reichen. (Die letztgenannte ihrer echten Zusammenstellung und ihrer 
Farbe beraubt). Mit mehr Schönheitssinn und gemilderter Grimasse ver- 
fahren Caradosso (Gruppen in der Krypta von S. Sepolcro und in S. 
"Satiro zu Mailand) und Vinc. Onofri (Gruppe in S. Petronio zu Bo- 
logna).  
In Neapel ist (ausser dem ebengenannten) zu Anfang des 15. Jahr- 
hunderts, der Bildhauer Andrea Ciccione zu bemerken. Von diesem 
sind mehrere Grabmäler in der Kirche S. Giovanni a Carbonara gefer- 
tigt, als deren bedeutendstes das des Königs Ladislaus (gest. 1414) er- 
scheint; mit noch alterthümlichem (gothisirendem) Geschmack verbindet 
sich hier bereits eine freiere und grossartige Fülle der Formen.  We- 
niger bedeutend sind dessen Zeitgenossen Antonio Bamboccio und 
der jüngere Guglielmo Monaco; von letzterem rühren die mit Reliefs 
geschmückten Bronzethüren der Triumphpforte im Castel Nuovo her.  
Als vortrefflicher Künstler, durch Reinheit und jungfräulichen Adel der 
Formen ausgezeichnet und hierin den gleichzeitigen neapolitanischexi Ma- 
lern verwandt, erscheint dagegen Aniello Fiore (gest. gegen 1500). 
Von seiner Hand finden sich mehrere Werke in S. Domenico maggiore, 
namentlich verschiedene Grabmonumente aus der späteren Zeit des 15. 
Jahrhunderts.  
Medailleure. 
Die 
Als eine eigenthümliche Gattung der Sculptur, die in der italienischen 
Kunst des 15. Jahrhunderts erscheint, sind die in Erz gegossenen Medail- 
lenl zu nennen. Auch sie verdanken ihren Ursprung dem erneuten Ein- 
gehen auf die Werke der Antike, indem die anziehenden Bilder, welche 
"man auf den Münzen des classischen Alterthums vorfand, zur Beschaffung 
ähnlicher Arbeiten anreizen mussten. Doch wandte man die künstlerische 
Ausbildung zunächst nicht den eigentlichen, für die Bedürfnisse des Ver- 
kehxes bestimmten Münzen zu, (die im Mittelalter ohne alle künstlerische 
Bedeutung gewesen waren, und die auch in der modernen Zeit zumeist 
nur ausnahmsweise auf eine solche Bedeutung Anspruch haben); vielmehr 
ging man jetzt darauf aus, die Medaillen als selbständige Kunstwerke, 
' Bolzenthal, 
Abschn. I. 
Skizzen 
Zllf 
Kunstgeschichte 
der 
modernen Medaillen- 
-Arbeit,
        

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