Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695591
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II. Kap. 
bild. 
Die ital. 
Kunst im 
J ahrh. 
Sculptur. 
angehören, sind Adam und Eva noch sehr energisch, die übrigen. 
schwächer. In den Uffizien zu Florenz die anmuthige Reliefgestalt 
einer Fides. 
Für Rom sind in der Sculptur wie in der Baukunst die Florentiner 
die treibende Kraft, an welche sich nur langsam das Einheimische an- 
schliesst. I-Iiezu- kommt ganz besonders die Wirksamkeit des Mino da 
Fiesole in Betracht, der in der Behandlung von Grabmälcrn und Altären 
eine bedeutende, obwohl anonyme Nachfolge fand. Die Kirche S. Maria 
del popolo enthält einen grossen Vorrath dieser Werke; Anderes in vie- 
len andern Kirchen. Die vorzüglichste Werkstatt erkennt man an einer 
Anzahl von Arbeiten, welche Adel und Lebendigkeit des Styles mit dem 
schönsten Ausdruck vereinigen: das Grabmal des Pietro Riario (gest- 
1474) in SS. Apostoli,  das Grab eines Savelli (gest. 1498) im Chor 
von Araceli),  der Altar Borgia (1492) in der Sakristei von S. Maria 
del popolo,  der Altar Pereira (1490) in S. Lorenzo fuori,  mehrere 
einzelne Figuren, z. B.: in der Vorsakristei des Laterans;  wie es 
scheint, stammt auch das Grabmal der Eltern Sixtus IV. im Dom von 
Savona aus dieser römischen Werkstatt. Andere vorzügliche Meister 
offenbaren sich in den Fragmenten eines Altares, in dem Treppenbau 
bei S. Maria maggiore in Rom, in den Grabmälern Ponzetti (S. Maria 
della Pace), Bonsi (Vorhalle von S. Gregorioj u. a. m. 
Oberitalien und 
Die Schulen von 
von Neapel. 1 
In Oberitalien scheint sich die moderne Richtung der Sculptur spä- 
ter und, wie bereits bemerkt, nichtkohne Einfluss von Seiten der tosca- 
nischen Sculptur entwickelt zu haben. Die Schritte der Entwickelung 
darzustellen, ist hier jedoch ungleich schwerer als in Toscana, denn, wenn 
es auch nicht an Künstlernamen fehlt, so ist doch deren Bezug auf die 
vorhandenen Werke nur selten nachzuweisen; obschon zu vermuthen 
steht, dass eine sorglichere kunsthistorische Forschung, als bis jetzt in 
diesem Punkte angewandt ist, noch manches erfreuliche Licht verbrei- 
ten dürfte.  
In Venedig ist zunächst ein Meister des Ueberganges, Mastro 
Bartolommeo, hier noch einmal zu erwähnen, der wie es scheint, 
selbständig und allmälig auf den neuen Styl kam, obschon er dabei an 
Jacopo della Quercia erinnert. Von ihm ist das grosse. (von einer Thür 
stammende) Relief einer Gnadenmutter in der Abbazia, die Portallunette 
an der Scuola di S. Marco und die sog. Porta della carta am Dogenpa- 
last (1439), deren Sculpturen schon die freiste Energie athmen. Vor- 
züglich aber nahm die Sculptur seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhun- 
derts einen sehr bedeutenden Aufschwung. Zwar ist es hier mehr als 
irgendwo die malerische Auffassung, welche Geberden und Gewandung 
bestimmt und die Reliefs zu perspectivisch vertieft gedachten, in die 
Ferne reichenden Bildern macht, allein die feine, wenn auch oft sehr 
conventionelle Behandlung, der Geschmack und die Lebendigkeit alles. 
der Kunst, 
Denkmäler
        

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