Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695561
Schule. 
Die tosoanische 
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büsten jener Zeit (u. a. die des Lorenzo Magniiico), die naturgemäss 
gefärbt, jedoch nicht blos im Nackten, sondern auch in Haaren und Ge- 
wand aus der Wachsmasse gearbeitet sind.  Eine verwandte Richtung 
mit Andrea Verocchio, doch eine mehr kleinliche Manier zeigt Antonio 
Pollajuolo (gest. 1498). Ausser einigen Silberarbeiten, welche derselbe 
ebenfalls für den Altar des Baptisteriums von Florenz fertigte, sind als 
Hauptwerke dieses Meisters zwei eherne Grabmonumente in der Peters- 
kirche von Rom zu nennen, die der Päpste Sixtus IV. (bezeichnet 1493) 
und Innocenz VIIL, ersteres prachtvoller, mit der in höchst energischem 
Realismus durchgeführten Gestalt des Verstorbenen und" den magern 
kleinen Gestalten der Tugenden, welche an den schrägen Seiteniiächen 
des Sarkophages herumsitzen; letzteres (nach 1492) ein Wandmonument, 
im Einzelnen besser imd lebendiger. In der Sakristei von S. Pietro in 
Vincoli die zierlich geschmückten ehernen Schrankthüren; in den Ufüzien 
zu Florenz endlich ein Bronzerelief der Kreuzigung. 
Unter den übrigen ilorentinischen Bildhauern, die als Schüler des 
Donatello genannt werden, ist zunächst Nanni d' Antonio di Banco 
(gest. 1430) anzuführen. Seine Werke haben übrigens keine sonderliche 
Verwandtschaft mit seinem angeblichen Meister; sie erscheinen als die 
Hervorbringungen eines mehr richtigen als fruchtbaren Geistes. Die be- 
deutendsten sind einige Statuen an Orsanmicchele: der h. Philippus und 
eine Gruppe von vier, in Einer Nische stehenden Heiligen.  Sodann 
Michelozzo Miohelozzi, der Baumeister, dessen seltne Bildhauerar- 
beiten weniger Energie als das Streben nach zarterer Anmuth erkennen 
lassen. So die kleine Statue des Johannes im Museum von Florenz.  
Dasselbe Streben, aber auf's Liebenswürdigste durohgebildet und mit 
einer ansprechend weichen Ausführung vereint, sieht man in den Werken 
des Antonio Rosselini. Von ihm rühren her: das tretfliche Grabmonu- 
ment des jung verstorbenen Kardinals Jacob von Portugal in S. Miniato 
bei Flßrenz (1456, eine der edelsten Gesammtcornpositionen dieser Art); 
ein Relief (Madonna das Kind anbetend) im Museum von Florenz, und 
ebendaselbst eine lebenvolle Büste des Matteo Palrnieri (1468); dann 
mehrere Arbeiten in der Kirche Monte Oliveto zu Neapel; ein Relief 
der Geburt Christi, das Grabmonument der Maria von Arragonien, u. A.- 
Aehnliche Richtung zeigt der Bruder des Antonio, der als Baumeister 
bereits genannte Bernardo Rosselini (gest. 1490) in mehreren bemer- 
kenswerthen Grabmonumenten, die sich in S. Croce und S. Maria Novella 
zu Florenz, sowie in S. Domenico zu Pistoja voründen.  Auch De- 
siderio da Settignano gehört derselben Richtung an; in Bezug auf 
den Liebreiz, den er den Köpfen seiner Figuren, besonders der Frauen 
und Killdel" zu geben WeiSS, ist er einer der interessantesten unter den 
Nachfolgern Donatellds. Seine Werke sind übrigens Selten, da er jung 
gestorben ist. Seine Hauptarbeit ist das Grabmal des Carlo Marzuppini 
(gest. 1453) in S. Croce zu Florenz. 
Andre Bildhauer der toseanischen Schule zeigen ebenfalls das Stre- 
ben, jene durch Donatello begründete leichtere und mehr bewegliche 
Formenbildung mit der weicheren Anmuth, für welche das Vorbild be-v 
Senders in Ghibertfs Werken hingestellt war, zu verschmelzen. Dahin
        

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