Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695510
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Kalb 
Die ital. bild. 
Kunst im 
J ahrh. 
Sculptur. 
so Vieles in Arezzo (namentlich in der Kapelle der Madonna des dorti- 
genDomes), eine Madonna mit zwei Engeln im Berliner Museum, 
u. s. w. Andrea's Werke sind schärfer ausgeführt als die des Luca, aber 
minder einfach in der Anlage und minder bedeuten-d im Ausdruck. Bei 
andern Künstlern dieser WVerkstätte findet man eine vermehrte Farben- 
anwendlmg, die besonders bei ornamentistischen Werken zu mannigfach 
anmuthiger Darstellung Anlass gegeben hat. Eines dieser spätern farben- 
reichern Werke sind die treiflichen Friesreliefs mit den Werken der 
Barmherzigkeit am Hospital del ceppo zu Pistoja (1525-1585).  Von 
andern Hauptwerken der Schule, deren Einzelurheber nicht genau zu er- 
mitteln sind, nennen wir noch folgende: die Lünetten-Reliefs an der Sei- 
tenthür der Kirche der Innocenti, und an der Kirche Montalvo a Ripoli, 
der Altar in SS. Apostoli und der Brunnen in der Sakristei von S. Maria 
novella.  Ausserhalb der Familie der Robbia wurde diese Technik sehr 
wenig geübt. Hier mag in solchem Betracht nur Giorgio Andrcoli 
genannt werden, der zu Gubbio um den Schluss des 15. Jahrhunderts 
thätig war. Von ihm ist u. a. ein Altarrelief (1511) im StädePschen 
Kunstinstitut zu Frankfurt a. M. befindlich, zu nennen. 
Als Dritter, der neben Jacopo della Quercia und Lorenzo Ghiberti 
die Richtung der modernen Kunst begründet hat und der zu solchem 
Beruf durch eine nicht geringere künstlerische Kraft ausgerüstet war, ist 
Donato di Betto Bardi (gewöhnlich Donatello genannt, 1383 bis 
1466) anzuführen. Bei diesem Meister erscheint aber das Verhältniss 
zwischen alter und neuer Zeit bereits völlig gelöst; von den Elementen 
jener ist bei ihm nichts mehr zu bemerken, während er das, was die 
moderne Kunst zunächst als ausschliessliches Eigenthum in Anspruch 
nimmt, mit voller Energie ins Leben einführt. Seine Richtung geht we- 
sentlich dahin, eine kraft- und lebenvolle Körperlichkeit, und hierin das 
ganze Gefühl der irdischen Existenz zur Erscheinung zu bringen; er 
schreitet bei solchem Streben bis zum Ausdrucke der herbsten Leiden- 
Schaft vor, unbekümmert, ob hiemit ein edler gestimmtes Gemüth sich 
einverstanden erklären könne, aber er eröffnet dadurch der Kunst ganz 
neue Bahnen, welche den Gesichtskreis wesentlich erweitern mussten. 
Zugleich ist er derjenige Meister, der sich zuerst fast rückhaltlos der 
Antike hingab, und der durch die Befolgung von den Gesetzen der letz- 
teren hie und da eine wohlthätige Milderung jenes einseitig realistischen 
Strebens, d. h. eine stylgemässe Fassung für seine Darstellungen, gewann. 
 Seine Werke sind sehr zahlreich; das Bedeutendste findet sich an den 
Hauptorten seiner Thätigkeit, zu Florenz und zu Padua. Es möge ge- 
nügen, hier eine Reihe vorzüglich bezeichnender Beispiele anzuführen; 
zunächst einige Reliefarbeiten, in denen die mit der Antike mehr über. 
einstimmende, stylgemässe Anordnung (im Gegensatz etwa gegen die 
mehr malerischen Reliefcompositionen Ghibertfs nicht ungünstig wirkt. 
Unter diesen gilt als eine von Donatello's frühsten Arbeiten das Relief 
einer Verkündigung Mariä in S. Oroce zu Florenz, welches ebenso 
entschieden die Auffassung des Momentanen in der Darstellung, wie das 
Streben, der Antike nahe zu kommen, erkennen lässt. Dann sind mehrere 
Marmor-Reliefs, für die Orgel des Domes gearbeitet und gegenwärtig im
        

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