Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695415
272 
Kap" 
Die mod. 
Arch. 
des 
bis gegen das Ende 
J ahrh. 
zeigt.  Zu Anfang den 17. Jahrhunderts erfreute sich Elias Holl 
von Augsburg eines besondernRuhmes; er führte von 1615-1618 
das dortige Rathhaus auf, das indess keine sonderlich grossartige künst- 
lerische Entwickelung erkemien lässt. Gleichzeitig (1616-1619), in einer 
nicht unwürdigen Anwendung des italienischen Styles, ward das Rathhaus 
xzu Nürnberg durch Eucharius Karl Holzschuher erbaut.  WVich- 
tigere Unternehmungen finden sich in Deutschland am Ende des 17. und 
am Anfange des 18. Jahrhunderts. Zu den kraftvollsten Werken dieser 
Zeit gehört das, im Jahr 1685 von N ehring angefangene und von J oh. 
de Bodt vollendete Zeughaus zu Berlin, sowie das dortige königliche 
Schloss, wenigstens die Theile des letzteren, welche Andreas Schlü- 
ter, 1699-1706, erbaut hat. Schlüter  unbedenklich der grösste 
Künstler seines Zeitalters, namentlich im Fache der Sculptur  strebt 
in seinen Bauwerken ebenfalls nach einer lebendig malerischen Wirkung, 
aber er verliert dabei so wenig die kraftvolle Gestaltung des Einzelnen, 
wie den festen und massenhaften Charakter des Ganzen aus dem Auge. 
 Ein bedeutender Zeitgenosse Schlütefs ist J oh. Bernh. Fischer 
von Erlach; als Hauptbau dieses Meisters ist die 1716 begonnene und 
1737 (durch seinen Sohn Esaias Emanuel) beendete Kirche St. Karl 
Boromä zu Wien zu nennen, _ein hoher Kuppelbau, zu den Seiten des 
vorderen Porticus mit ein paar minaretartigen Säulen geschmückt, die 
eine eigen malerische Wirkung hervorbringen. Ausserdem enthält Wien 
bedeutende Paläste von demselben Meister, wie z. B.: den des Prinzen 
Engen; in Prag der Palast Clam-Gallas, vielleicht das Hauptwerk des 
Künstlers, beendigt 1712.  Dann ist etwa noch J oh. Balth. Neu- 
mann zu nennen, der von 1720-1744 die stattliche fürstbischöfl. Resi- 
denz zu Würzburg (mit einem besonders prachtvoll wirkenden Trep- 
penhause) erbaute; sowie H. G. W. von Knobelsdorf, von dem die 
bedeutendsten Bauten, welche Friedrich II., König von Preussen, in den 
früheren Jahren seiner Regierung ausführen liess, herrühren; Knobels- 
dorf unterscheidet sich vorthejlhaft unter der Mehrzahl seiner Zeitgenos- 
sen durch eine gewisse feinere Geschmacksbildung.  U. a. m. 
Die Grenzen dieses Buches erlauben uns nicht, auf all' die Nuancen 
des Styles einzugehen, welche sich" in den genannten und andern Archi- 
tekturen des 17. und 18. Jahrhunderts offenbaren, und welche man als 
spanischen Barockstyl, als Jeslliilßnstyl, als Kapuzinerstyl u. s. w. zu be- 
zeichnen angefangen hat. Nur der letzten Blüthe der modernen Archi- 
tektur vor der Wiedererweckung des klassischen Styles, dem sog. R0- 
coco, muss hierrseine besondere Stelle angewiesen werden. Derselbe 
"besteht in einer mehr oder weniger vollständigen Befreiung des Orna- 
mentes von dem architektonischen Organismus; er ist das unabhängig 
gewordene Leben der Dekoration. Dies Leben aber verträgt sieh nicht 
nur mit einer fmöglieherweise sehr bedeutenden Schönheit der Verhält- 
nisse, sondern es entwickelte aueh in sich eine, ob oft auch kokett gau- 
kelnde, S0 (10011 nicht Selten durchaus folgereehte Eleganz, welche die 
neuerlich so vielfach versuchte Nachahmung weder immer zu verstehen,
        

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