Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695311
262 
Kap. 
mod. 
Die 
Arch. 
bis gegen das Ende 
J ah rh. 
tionsstyl hervor, welcher sich noch den gothisehen Grundformen auf 
harmlose Weise ansphloss und welchen man den Renaissancestyl im 
engeren Sinne nennen mag. Eine unverkennbare. Aehnlichkeit mit den 
lombardischen und venezianischen Bauten von 1470-1520 lässt einen 
nahen Zusammenhang mit diesen errathen; hin und wieder wird man 
auch speciell an die Dekorationsweise der paduanisehen Schule erinnert. 
Manches der Art ist barocke Mischung gothischer und moderner Bestand- 
theile, Manchesaber auch von höchster Eleganz. - 
Eine zweite, nachhaltigere Einwirkung erfolgt von Italien aus seit 
jener Epoche, da die. italienisch moderne Architektur selbst jene grössere 
Freiheit der künstlerischen Conception, welche die dortigen Werke des 
15. Jahrhunderts noch auszeichnet, eingebüsst hatte. Willig und aller 
selbständigen Produktion entsagend, nahm man die Grundsätze an, welche 
die italienischen Meister aufgestellt und durch ihre WVei-ke bethätigt 
hatten; mit ernstlieber Mühe war man besorgt, all jenen Schwankungen 
zu folgen, aus denen die Geschichte der italienischen Architektur dieser 
Jahrhunderte besteht. Es bedarf hier somit nicht eines ausführlichen 
Eingehens auf das, was in den übrigen europäischen Ländern geleistet 
ward. Und nicht blos in Europa,  soweit überhaupt die modern-euro- 
päische Cultur umhergetragen ist, sind der letzteren auch die architekto- 
nischemRegeln des Serlio, des Palladio und der übrigen namhaften 
Meister Italiens gefolgt; zur Seite der aztekischen Denkmäler Mexicds 
und derAIneas-Bauten von Peru, zur Seite der indischen Grottentempel 
und der stolzen Monumente der grossen Moguls baut man ebenso, wie 
an den Ufern der Tiber und der Brenta, und nicht anders an der Süd- 
spitze von Afrika, auf denInseln der Südsee, auf den sibirischen Steppen 
und den Handelsmärkten der nordamerikanischen Freistaaten. Liessen 
nicht einzelne Bestrebungen der jüngsten Gegenwart wiederum einen 
Schimmer von Hoffnung auftauchen, so sollte man meinen, dass alle 
volksthümliche Kraft, soweit es sich um die charaktervolle Gestaltung 
architektonischer Monumente (d. h. um die Grundlage zu aller monumen- 
talen Kunst) handelt, von der Erde entschwunden sei. 1 
Für Frankreichg ist das Auftreten der Renaissance durch die 
Eroberungskriege Karls VIII. und seiner Nachfolger in Italien wohl äus- 
serlieh zu begründen, doch muss schon früher eine fortlaufende Kette 
italienischer Kunsteinflüsse, wie wir sie z. B. in den Miniaturen des 
15. Jahrhunderts werden kennen lernen, vorhanden gewesen sein. Aus- 
serdemvwerden zu Anfang des 16. Jahrhunderts einige italienische Archi- 
tekten genannt, von welchen der schon erwähnte Fra Giacondo der 
bedeutendste ist. Es folgte nun die sonderbarste Stylgährung. Während 
die Einen den spätgothischen, sogenannten "blühenden" Styl noch lange 
festhielten (Stadthäuser von Arras und S. Quentin, in Paris das 
 
1 Wir lassen dieses Urtheil stehen wie es der Verfasser im J. 1841 nieder- 
schl-ieb; von seinen SBätel' bessern Hoffnungen hat er selber noch Zeugniss ge- 
geben.  2 Denkmäler der Kunst, T. 87, A. 91, A.
        

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