Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695294
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bis 
Die mod. Arch. 
das 
gegen 
Ende des 
J ahrh. 
Disposition schloss er sich, in einer leidlich harmonischen Weise, dem 
System, welches er vorfand, an; 1 der Gesammt-Eindruck des Aeusseren 
aber konnte durch seine Hinzufügimg nur beeinträchtigt werden, und 
dies musste um so mehr der Fall sein, als seine Fagade (vollendet 1614) 
mit einer Dekoration von äusserst kraftlosen und nüchternen Formen 
versehen ward.  Andres wurde durch Lorenzo Bernini (1589 bis 
1680) hinzugefügt. Zunächst begann dieser Meister den Bau von Glocken- 
thürmen zu den Seiten der Facade, die indess, noch während sie im Bau 
begriffen waren, wieder abgetragen wurden. Sodann legte er, seit 1667, 
die mächtigen Oolonnaden an, welche den Platz vor der Kirche einschlies- 
sen und die, obwohl im {Einzelnen nicht ohne Nüchternheit, eine der 
grossartigsten Prunkdekorationen des Barockstyles sind. Ebenso fertigte 
er, im Innern der Kirche, das kolossale, gegen 90 Fuss hohe bronzene 
Tabernakel über der Gruft des h. Petrus; es ist ein alfektirt imposantes 
Dekorationswerk, und es ist diese Arbeit um so mehr zu beklagen, als 
das dazu nöthige Material durch die Plünderung eines der erhabensten 
Monumente des römischen Alterthums (durch das Bronzewerk, welches 
die Decke der Vorhalle des Pantheons bildete), gewonnen werden musste. 
 Andre Werke, welche Bernini ausführte, zeigen einen ähnlichen De- 
korationsstyl; so die sogenannte Scala Regia im Vatikan (zur Seite der 
Peterskirche); so mehrere Kirchen und Paläste zu Rom, unter denen der 
Palast Barberini die meiste Bedeutung hat. Als absonderliche Anlage 
ist die ovale Kirche S. Andrea zu nennen. 
In ähnlicher Weise erscheinen die architektonischen Anlagen, welche 
durch andre Künstler jener Zeit zu Rom ausgeführt wurden: durch 'die 
Maler Domenichino (1581-1641) und Oortona (P. Berettini, 
1596-1669), und durch den Bildhauer Alessandro Algardi (1602 
bis 1654). 
.Wenn aber Bernini und seine Mitstrebenden imAllgemeinen auf eine 
gewisse Grossartigkeit des Eindruckes hinarbeiteten, so trat ihnen eine 
andere Richtung gegenüber, die, von allem inneren und äusseren Formen- 
gesetz abweichend, nur, wie bereits angedeutet, durch die abenteuerlich- 
sten und launenhaftesten Oombinationen zu wirken strebte. Das Haupt 
dieser Partei war Francesco Borromini (1599-1667), der eifrigste 
Nebenbuhler Bernini's. Alles Geradlinige in den Grund- und Aufrisseix 
seiner Bauten ward, so viel als möglich, verbannt und durch Curven 
der verschiedensten Art, durch Schnörkel, Schnecken u. dergl. ersetzt; 
den Hauptformen nahm er ihre gesetzmässige Bedeutung, während er 
die untergeordneten, nur mehr für die Dekoration bestimmten Nebenfor- 
men mit völliger Willkür als die vorzüglichst wichtigen Theile des Ganzen 
1 Es ist bekannt, dass die Peterskirche in dieser ihrer jetzigen Gestalt die 
frühem Kirchentypen des Renaissancestyles in den Hintergrund drängte und das 
mehr oder minder treu nachgeahmte Vorbild einer Menge von Kirchen in allen 
Ländern wurde. Eine der einfachsten und edelsten Nachbildungen dieser Art 
ist die in demselben Jahr, da St. Peter vollendet ward, 1614, von Santino 
Solari begonnene Domkirche von S alzb nrg.  Ein anderer vielleicht eben- 
falls direct italienischer und sehr vorzüglicher Bau ist die St. Nlatthiaiskirche zu 
Breslau. Das Gleiche gilt von der Jesnitenkirche zu Büren bei Paderborn.
        

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