Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695285
Die italienische Architektur des 
und 
J aihrhunderts. 
259 
(1510-1592, Vollender des Pal. Pitti, was dessen Haupttheile anbetrifft, 
und Erbauer der Brücke S. Trinitä, die sich durch die leichte und schöne 
Schwingung ihrer Bögen aüszeichnet), Domenico Fontana zu Rom 
(1543-1607; Erbauer des neuen lateranensischen Palastes), u. a. m. 
italienische 
Die 
Architektur 
des 
und 
Jahrhunderts. 
WVie Leo Batista Alberti diejenigen Bestrebungen eingeleitet 
hatte, die im 16. Jahrhundert eine grössere Verbreitung fanden, so er- 
scheint Michelangelo als Begründer der Richtung des architektonischen 
Geschmackes, welche das 17. Jahrhundert charakterisirt. I-hm war es 
vor allen Dingen darauf angekommen, durch die Gegenwart seiner Werke 
zu imponiren, durch kühne und überraschende Oombination den Sinn des 
Beschauers mit Staunen und Verwunderung zu erfüllen, ohne dass er auf 
die Reinheit, auf die innerliche Nothwendigkeit der Mittel, die er zu 
solchem Zweck anwandte,. sonderlich Rücksicht genommen hätte. Dies 
Streben ward mit Vorliebe und in ungleich ausgedehnterem Kreise seit 
der Zeit um den Beginn des 17. Jahrhunderts aufgenommen; die archi- 
tektonischen WVerke dieser Periode haben, wenn ich mich so ausdrücken 
darf, einen gewissen pathetischen Schwung, der zuweilen allerdings eine 
cigenthümliche Grossartigkeit des Sinnes verräth, viel häufiger jedoch, 
statt in grossartigen, in fremdartigen und abenteuerlichen Formen sich 
ergeht, und der meistens mit einer unverkennbaren Hohlheitides Gefüh- 
les verbunden ist. Es entspricht eine solche Richtung dem Geiste der 
Zeit, aber es ist nur die Kehrseite desselben, welche hierin offenbar wird; 
die wahrhaft lebenvollen Elemente der Zeit sollten vornehmlich in der 
bildenden Kunst und besonders in der Malerei zu wahrhaft bedeutenden 
neuen Erfolgen führen. 
Neben so vielen Schattenseiten der Architektur dieser Zeit darf man 
indess die Vorzüge der besseren Bauten der Barockzeit nicht ganz ver- 
gessen: das oft bedeutende Gefühl für Verhältnisse und Linien im Gros- 
sen, die mächtige Behandlung und freie Entwicklung des Raumes, die 
perspektivisch-malerische Wirkung mit Hülfe einer '0ft sehr glücklichen 
Beleuchtung, endlich die_ gediegene technische Ausführung. Auch in der 
Dekoration zeigen sich neben der tollsten Ausartung manche Lichtseiten 
in energischer Gliederung und einer gewissen überströmenden Lebensfülle, 
und selbst das Willkürliche wird wenigstens mit sicherer Meisterschaft 
gehandhabt und dadurch zu einer das Auge bestechenden äusserlichen 
Harmonie durchgeführt. 
In diesem Betracht sind zunächst die Unternehmungen cl1arakteri- 
stisch, die zur Fortsetzung und zur glänzenderen Gestaltung des Baues der 
Peterskirche von Rom ins Werk gerichtet wurden. Die einfach gross- 
artige Anlage, die Michelangelo dem Gebäude (was die Hauptformen be-' 
trifft) gegeben hatte, genügte nicht mehr; es ward beschlossen, der Vor- 
derseite noch ein geräumiges Langschiff vorzubauen. Carlo Maderno 
(l550--l629) erhielt den Befehl zu dessen Ausführung; in der inneren 
1 Denkmäler der Kunst, 
Taf.
        

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