Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695279
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Kap 
bis gegen 
Die mod. Arch. 
Ende 
(las 
des 
J ahrh. 
Ausführung und malerische NVii-kung treifen selten in diesem Grade zu- 
sammen. In Padua ist von ihm aus der Mitte des 16. Jahrhunderts der 
Hof der Universität; von Andrea della Valle und Agost. Righett 
der Dom, in welchem sich der frühere paduanische Kuppclbau mit der 
Weise Michelangelds eigenthümlich verbindet. 
Sansovinols Nachfolger war Andreas Palladio von Vicenza (1518 
bis 1580), neben Michelangelo vielleicht der einHussreichste Meister der 
modernen Architektur, auf dessen frühere Ueberschätzung eine noch un- 
billigere Unterschätzung gefolgt ist, seitdem das von ihm abgefasste 
Lehrbuch der Architektur die Kunst nicht mehr beherrscht. In all seinen 
Gebäuden prägt sich der entschiedenste künstlerische Wille aus; nur war 
es allerdings ihm so wenig als irgend einem seiner Zeitgenossen gegeben, 
sich über eine wenn auch edle und kraftvolle Dekoration hinaus zu einem 
vollkommen architektonischen Organismus zu erheben. Für Aufgaben 
aller Dimensionen und Gattungen aber fand Palladio neue und geistvolle 
Lösungen; seine Werke haben ein Gepräge von Würde, welches nicht 
blos in den antiken Formen liegt, sondern die Schönheit der Verhältnisse 
und der Disposition zum Grunde hat.  Von seinen Kirchen ist il Re- 
dentore in Venedig besonders ausgezeichnet, weniger durch die Fagade, 
als durch die strenge und dabei höchst wirksame Durchführung des In- 
nern; an S. Franeesco della vigna ist blos die wiederum etwas trockene 
Facade von ihm; an S. Giorgio maggiore die mächtige Kirche und ein 
Theil des Klosters; von kleinern Kirchen: ile Zitelle und S. Lucia. Seine 
Paläste, an welchen meist das untere Geschoss mit Rustica, die obern 
mit Pilastern oder einer Golonnade bekleidet sind, zeigen dabei doch eine 
immer neue Erfindung und Anordnung; ihrer ist besonders in Vicenza 
eine beträchtliche Anzahl vorhanden, worunter Palazzo Ohieregati, Mar- 
cantonio Tiene, Valmarana etc. die bedeutendsten sein möchten; ausser- 
dem findet sich daselbst das ältere, von ihm mit einem Doppelgeschoss- 
von Hallen umgebene Stadthaus, la Basilica genannt, und eine Miglie 
von der Stadt, die berühmte Rotonda Palladiana, eigentlich eine Villa 
der Familie Capra, ein viereckiger Bau mit vier Portiken, in der Mitte 
einen runden Kuppelsaal enthaltend. Auch in andern Städten Italiens. 
wurde Vieles nach Palladids Zeichnungen aufgeführt, der zahllosen Bau- 
ten zu geschweigen, welche, zum Theil noch im vorigen Jahrhundert, 
seinen Gebäuden und Rissen nachgebildet wurden. Ausserdem ist das 
Teatro Olimpico in Vicenza zu erwähnen, als ein entschlossener Versuch 
zur Wiedererweckung des römischen Theaterbaues. Wahrhaft gross er- 
scheint Palladio endlich in dem nur unvollendeten Fragment einer drei- 
stockigen offenen Halle bei der Carita (hinter der Akademie) zu Vene- 
dig, welche an Adel und Schönheit der Verhältnisse nur mit wenigen 
Gebäuden dieser Art zu vergleichen ist.  Als die bedeutendsten Seiner 
Nachfolger in Venedig sind Vincenzo Scamozzi und Baldassare 
Longhena zu nennen. Der erstere baute, mit Anschluss an Sansovinds 
Bibliothek von S. Marco, die neuen Procuratien, gab denselben indess. 
ein nicht ganz passendes oberes Stockwerk. 
 Verwandte, doch nicht zu derselben Consequenz gesteigerte Bestre- 
bungen zeigen in jener Zeit: Bartolommeo Ammanati zu Florenz.
        

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