Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695240
Die italienische 
Architektur 
des 
Jahrhunderts. 
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Thor zu öifnen. Sein Beispiel musste um so verderblicher wirken, als 
seine vielseitige Meisterschaft und seine grossartige Persönlichkeitihm 
einen der höchsten Ehrenplätze der damaligen Kunst erworben hatten. 
In Florenz hat er die Sakristei und das Vestibül der Bibliothek von 
S. Lorenzo gebaut, Beides Anlagen von geringer Bedeutung. In Rom 
rühren die wirkungsvolle Anlage des Kapitols und die Architektur der 
beiden Seitengebäude an dem Platze des Kapitels von ihm her; sodann 
der Klosterhof von S. Maria degli Angeli, der, aus dorischen Säulen und 
Bögen bestehend, einen einfach ernsten Eindruck gewährt, während die 
von ihm im J. 1564 erbaute Porta Pia bereits als ein Beispiel der wider- 
wärtigsten Ausartung erscheint. Das Hauptwerk jedoch, welches er zu 
Rom im Fache der Architektur ausgeführt hat, ist der Bau der Peters- 
kirche. Bis zum Tode des A. San Gallo (1546) war an diesem Riesen- 
werke immer nur Weniges gefördert worden; der stete Wechsel in den 
Plänen der verschiedenen Baumeister hatte dafür ebenfalls nicht sonder- 
lich günstig gewirkt. Nach A. di San Gallo ward Michelangelo der 
Leiter des Baues; auch er entwarf einen neuen Plan,  dem des Bra- 
mante analog, mit einer Kuppel über einem griechischen Kreuz,  dem- 
gemäss die bereits ausgeführten Bautheile umgewandelt werden mussten; 
aber er führte denselben, trotz aller Hemmnisse, mit einer Energie, die 
nur ihm eigen war, seiner Vollendung entgegen, d. h. bis zur Wölbung 
der grandiosen Kuppel (die, völlig nach seiner Idee, zehn Jahre nach 
seinem T056 Zül" Ausführung kam). Wäre der Bau nicht durch spätere 
Erweiterung wiederum entstellt worden, so müsste er unbedenklich zu 
den würdigsten Kirchenanlagen der modernen Zeit gerechnet werden; 
denn obgleich es auch hier nicht an mancherlei launenhafter Bildung 
des Details fehlt, so ordnet sich dasselbe doch, namentlich im Inneren, 
den grossartigen Gesammtverhältnissen auf angemessene Weise unter. 
 Von den Schülern Michelangelds ward sein architektonischer Gre- 
schmack mit mehr oder weniger eigenthümlichem Sinne nachgeahmt; 
mit besonderm Wohlgefallen hielt unter diesen Giovanni del Duca 
an des Meisters manieristischen Ausartungen fest. 
Gleichwohl fand diese willkürliche Behandlungsweise der Architektur 
in den nächsten Jahrzehnten nach Michelangelols Tode noch nicht eine 
sonderlich verbreitete Nachfolge. In Florenz selbst schuf Giov. Anto- 
nio Dosio (geb. 1533) in fast ganz reinen Formen den Hof des Arci- 
vescovato und die einfach schöne Fagade von Palazzo Larderel, und 
Griorgio Vasari (1512-1574), sonst der treuste Verehrer Michelange- 
lo's, vermied in den Uftizien zu Florenz und in der Badia zu Arezzo 
nicht nur dessen Willkürlichkeiten, sondern zeigte sich auch als bedeu- 
tenden und selbständigen Componisten. Von ihm ist auch das Meiste im 
Innern des Palazzo vecchio in Florenz, namentlich der grosse Saal, 
angeordnet. WeiteT ist: unter den jüngeren Zeitgenossen dieses Meisters, 
zunächst Giacomo Barozzio, genannt Vignola (1507-73) zu nennen; 
der vornehmlich, ohne sich durch Michelangelds Beispiel verleiten zu 
lassen, strenger an dem Studium des classischen Alterthums festzuhalten 
strebte, und dafür durch Beispiel und Lehre zu wirken suchte; in letz- 
terem Bezuge namentlich durch das Werk, welches er über die sogenann-
        

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