Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695227
des 
Die italienische Architektur 
Jahrhunderts. 
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über einem griechischen Kreuz. Von kleinem Bauten ist der einfach 
schöne Klosterhof von S. Maria della Pace anzuführen, vielleicht auch 
die Facade von S. Maria dell" anima, welche gewöhnlich dem Giuliano 
di San Gallo zugeschrieben wird. Ausserhalb Rom's baute Bramante 
in dieser spätern Zeit die Kirche der Oonsolazione in Todi, ein griechi- 
sches Kreuz mit abgerundeten- Armen und einer hohen Kuppel. 
Die Architekten, die sich zunächst an Bramante anschliessen, zeigen, 
bei mancherlei persönlicher Eigenthümlichkeit, ebenfalls eine überaus 
geschmackvolle und würdige Behandlungsweise bei jener strengeren Be- 
folgung der Regeln des antiken Systems.  
Dem Bramante vorzüglich verwandt erscheint Baldassare Pe- 
ruzzi (1481-1536), der in Rom verschiedene Paläste erbaute. Einer 
der zierlichsten unter diesen ist die sogenannte Farnesina, eine für 
Agostino Ohigi ausgeführte Villa, im Aeusseren mit (etwas sparsamen) 
Pilasterstellungen geschmückt. Sodann ist Palazzo Massimi ein Meister- 
werk monumentalen Baues auf enger und unregelmässiger Grundfläche; 
das Detail, wesentlich doch nicht ängstlich classisch, ist vom Gediegensten 
jener Zeit, der Hof von grosser malerischer Wirkung. Am Palast Altemps 
gilt die Anlage des Hofes mit Pfeilerhallen vorn und hinten als Werk 
Peruzzi's. In Siena gehören ihm eine Anzahl von Bauten geringen 
Umfanges, mit den mässigsten Mitteln, besonders in Backstein ausgeführt; 
so die Paläste Pollini und Mocenni, der kleine Hof bei S. Caterina etc. 
Ueberall zeigt sich eine treffliche, auf die Mittel berechnete Anlage.  
Ein Schüler des B. Peruzzi war Sebastiano Serlio, der indess weni- 
ger durch ausgeführte Werke, als durch das, von ihm geschriebene Lehr- 
buch der Architektur bekannt ist. Er brachte einen grossen Theil seines 
Lebens in Frankreich zu; dort war er bei dem Palaste des Louvre zu 
Paris und bei dem Schlosse von Fontainebleau beschäftigt; diese Bau- 
werke-haben jedoch nachmals bedeutende Veränderungen erlitten, so dass 
die Zeugnisse seiner Thätigkeit schwer nachzuweisen sind. 
Sodann Rafael Santi, der Maler, (1483-1520) ein Neffe des 
Bramante; von dem letzteren bereits durch die Neigung zu einer mehr 
malerischen Wirkung unterschieden, dabei aber durch Fülle der Detail- 
formen und durch Sinn für grosse Gesammt-Verhältnisse ausgezeichnet. 
Von ihm die Pläne zu mehreren römischen Palästen und Häusern, deren 
einige, in der Nähe der Peterskirche, bei den Erweiterungen, welche die 
Umgebung derselben nachmals verlangte, abgerissen sind; zu diesen ge- 
hörte sein eignes Haus. Erhalten sind: die jetzige Casa Berti, am Ende 
des Borgo nuovo; und ein Palast in der Nähe von S. Andrea della Valle, 
nach seinen Besitzern  Coltrolini, Oaifarelli, Stoppani, Acquaviva," jetzt 
Vidoni  verschieden bezeichnet. In Florenz sind der Palast Pan- 
dolßni (jetzt Nencini) und das Haus Uguccioni nach seinen Rissen gebaut. 
Von mehreren Kirchenplänen, die er entworfen, ist keiner zur Ausfüh- 
runggekommen; ausgeführt ist nach seiner Angabe in Rom die Vor- 
halle von S. Maria della navicella und die an S. Maria del popolo ange- 
baute Kapelle Chigi. Als Baumeister der Peterskirche (1518 bis 1520) 
entwarf er einen neuen Plan zu diesem Gebäude, welcher mit Bramante's 
Kuppelbau ein Langschiff auf Pfeilernverbindet und eine sehr geistreiche
        

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