Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695203
Die italienische 
Architektur des 
Jahrhunderts. 
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renden oder die Historien etc. möglichst reich einfassenden Malerei ge- 
widmet; Einiges hievon wird unten erwähnt werden. Die Verbindung 
mit relieürtem' Stucco, wozu das Studium antiker Thermenräume Anlass 
gab, findet sich vielleicht am frühsten in Pinturicchiols Malereien im 
Appartamento Borgia des Vatieans. (Ende des 15. Jahrhunderts.) In der 
Folge gab Rafael dieser ganzen Gattung die höchste Bedeutung und 
Gestalt, die sie in seiner Zeit überhaupt erhalten konnte. 
des 
Die italienische Architektur 
Jahrhunderts. 
Mit dem Anfange des 16. Jahrhunderts beginnt in der italienischen 
Architektur eine grössere kritische Strenge, was die Behandlung der 
antiken Bauformen betrifft, vorherrschend zu werden, in verwandter Rich- 
tung mit denjenigen Bestrebungen, welche zuerst bei dem Florentiner 
Alberti hervorgetreten waren. Wie bei diesem einzelnen Meister, so ward 
jetzt im Allgemeinen durch solches Streben nicht bloss ein der Antike 
nahe kommender Adel, sondern auch eine höhere Lauterkeit und Strenge 
des Styles erreicht, ohne dass zunächst jener poetische Hauch, jene leben- 
volle Phantasie verringert worden wäre, welche die Mehrzahl der Werke 
des 15. Jahrhunderts durchzogen hatten. Die grossen Meister dieser Zeit 
wussten die freie Phantasie, die in der vorhergehenden Epoche oft in's 
Maasslose sich ergossen hatte, dadurch zu zügeln und zu veredeln, dass 
sie jene Regeln sich zur Richtschnur nahmen, die aus den antiken Denk- 
malen und den Büchern des Vitruv zu gewinnen sind. In der That aber 
sieht man diese überlieferten Formen im Dienste eines neuen Geistes 
auf neue Weise angewandt. Grosse malerische Massenwirkungen wurden 
jetzt damit erzielt, und so wenig man sich in der Composition des Gan- 
zen  bei der so verschiedenen Bestimmung der Bauten  an römische 
Muster halten konnte, so tritt doch hierin wieder eine höhere geistige 
Verwandtschaft mit der altrömischen Baukunst hervor, nur dass diese in 
der Zusammenstellung des Ungehörigen ein Maass beobachtet hatte, 
welches seit dem zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts der neuern Bau- 
kunst allmälig fremd wurde.  Rom, wo seit dem Anfange des 16. Jahr- 
hunderts der päpstliche Hof und mit diesem wetteifernd auch die vorneh- 
men Familien des Staates einen durch Kunst verklärten Glanz des Lebens 
entwickelten, ward für jetzt der erste bedeutsame Mittelpunkt der italie- 
nischen Architektur. 
Als der erste Meister, der für den genannten Umschwung der archi- 
tektonischen Richtung vorzüglich wirksam war, ist Donato Lazzari, 
gewöhnlich Bramante genannt, aus dem Herzogthum Urbino (1444 bis 
1514), zu nennen. Seine Mailänder Bauten trugen, wie wir sahen (S. 246), 
noch ganz das anmuthige Gepräge, welches die oberitalienische Archi- 
tektur aus der späteren Zeit des 15. Jahrhunderts auszeichnet, und sie 
gehören entschieden zu den interessantesten Leistungen dieser Art.  
Später ging Bramante nach Rom, wo ihn die unmittelbare Nähe der 
altrömischen Monumente zu einem strengeren Studium derselben und zu 
1 Denkmäler der Kunst,
        

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