Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695195
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Die mod. 
Areh. 
das Ende des 
bis gägen 
J ahrh. 
zu Florenz, erstere von Niccolo Grosso, genannt Oaparra, die 
erste Stelle ein. 
Das Stuhlwerk in den Chören der Kirchen und auch in feierlichen 
profanen Räumen sowie einzelne Thürüügel, Pulte etc. von Holz zeigen 
den dekorativen Geist dieser Zeit wiederum von einer ganz besonders 
glänzenden Seite. Das architektonische Gerüst besteht aus einem oft 
.sehr schönen und phantasievollen Schnitzwerk, die Flächen aus eingeleg- 
ter Arbeit (Intarsia), welche bald Arabesken, bald perspectixrische Ge- 
bäude-Ansichten, bald einzelne Figuren und ganze Historien (oft sehr 
reich und in delicatester Behandlung) darstellt. Diese langedauernden 
Arbeiten rühren zum Theil von Mönchen her, zum Theil aber auch von 
Künstlern, welche sich zugleich als Architekten und Sculptoren auszeich- 
neten. Als Hauptwerke sind zu nennen: die Thür in der Sala de" gigli 
des Palazzo vecchio, von Benedetto da Majano;  das Wandge- 
täfel in der Sacristei von S. Croce ebenda;  die Chorstühle in S. Maria 
novella, von Baccio d'Agnolo; im Dom von Pisa der Bischofsstuhl, 
von Gio. Batt. Oervellesi, und die Ohorstühle, angeblich von Giu- 
liano da Majano;--- ferner die Arbeiten des Fra Giovanni da 
Verona, eines der grössten Meister in dieser Gattung: die Intarsien 
des Stuhlwerkes zu beiden Seiten des Chores im Dom von Siena(1503), 
und der hölzerne Candelaber, das Chorgestühl und das linke Wandge- 
täfel in der Sakristei von S. Maria in organo zu Verona;  die Werke 
des Fra Damiano da Bergamo: das Chorstuhlwerk von S. Dome- 
nico zu Bologna (bisum 1530), mit der weit grössten Menge trefflicher 
Historien, und dasjenige im Chor von S. Maria maggiore zu Bergamo; 
-von Antonio und Giovanni Barile: Reste einer Wandbekleidung 
in der Akademie zu Siena, und die Thüren der von Rafael ausgemalten 
Zimmer im Vatican (mit Intarsien des oben genannten Fra Giovanni da 
Verona);  von Stefano da Bergamo (um 1535) das glänzende 
Stuhlwerk in S. Pietro zu Perugia; im sog. Oambio ebenda (nach 1500) 
das Pult der Richter, eine vorzüglich schöne anonyme Arbeit;  von 
Zucchi und Testa: die Ohorstühle von S. Giovanni in Parma, höchst 
ausgezeichnet sowohl in den- geschnitzten als in den eingelegten Theilen, 
welche merkwürdige bauliche Ansichten darstellen.  Zu diesen Werken 
kommen noch zahlreiche prachtvoll geschnitzte Bilderrahmen (der in Mar- 
mor oder in Terracotta gefertigten nicht zu gedenken), sowie auch die all- 
mälig in nordische Sammlungen übergehenden Truhen und andere Möbel. 
Die dekorirende Malerei hatte im 15. und noch im 16. Jahr- 
hundert vor Allem die Aufgabe, eine Menge von Häuserfacaden zu 
schmücken, theils einfarbig, theils in vollen Farben, theils nur allo sgraf- 
fito (s. unten bei Anlass des Polidoro und Maturino). Es geschah theils 
in Gestalt von anmuthig und frei behandelten Scheinarchitekturen mit 
Laubwerk etc., theils durch figürliche Zuthaten und I-Iistorien, welche als 
Bilder eingefasst waren oder als Friese fortliefen. Es sind vorwiegend 
kriegerische, poetische oder pastorale Scenen aus dem Alterthum, seltener 
christliche Darstellungen. An solchen bemalten Facaden des 15. Jahr- 
hunderts War vorzüglich Verona reich, doch ist das Meiste verwittert. 
Im Innern der Gebäude sind vorzüglich die Gewölbe einer dekori-
        

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