Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695163
Die italienische Architektur 
des 
Jahrhunderts. 
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erhöhter, aussen polygoner Kuppel, welche ein ziemlich Baches Zelt- 
dach trägt. 
In Piacenza ist Madonna della campagna ein Centralbau, S. Sisto 
dagegen eine Säulenkirche mit Tonnengewölbe von glänzend reicher Ge- 
sammtanlage. In Parma zeigt S. Giovanni, erbaut 1510 von Bernar- 
dino Zaccagni, eine ähnliche Disposition, aber mit Pfeilern und mit 
edlerm malerischem Schmuck; daneben zwei treifliche Klosterhöfe. La 
Steccata daselbst ist eine Centralanlage desselben Meisters vom J. 1521; 
ein griechisches Kreuz mit runden Abschlüssen, einer Kuppel und abge- 
sonderten Eckräumen.  In Modena die sehr tüchige Backsteinfagade 
von S. Pietro.  In Bologna ist S. Bartolommeo di porta ravegnana 
eine Säulenkirche mit Tonnengewölbe und reicher äusserer Pfeilerhalle 
von Formigine; sodann gehört hieher der Innenbau von S. Giacomo; 
einschifüg mit einer Folge von Kuppeln und je drei Wandnischen zwi- 
schen den nach innen gerückten Strebepfeilern; San Michele in Bosco 
ist einschifiig mit Kreuzgewölben; Facaden dieses Styles linden sich auch 
an Madonna di Galliera und an Oorpus Domini.  Im Profanbau nimmt 
Bologna damals eine der ersten Stellen ein; die Sitte, das Erdgeschoss 
der Häuser durchgängig als Strassenhalle zu gestalten, verbunden mit 
den heitern und reichen Formen der Kapitale, Bogenproüle, Fenster und 
Gesimse -fast alles in Backstein  verleiht hier ganzen Strassen einen 
ausserordentlichen Charakter; auch die Hallen der Höfe sind zum Theil 
von grosser Anmuth. Aus dem 15. Jahrhundert ist besonders zu nennen: 
Palazzo Fava, Pal. Bevilacqua (mit einer ausnahmsweise barock diaman- 
tirten Fagade, aber dem schönsten Hofe, wahrscheinlich von Gaspero 
N adi) u. s. w. Aus den ersten Zeiten des 16. Jahrhunderts Pal. B0- 
lognini und Pal. Malvezzi-Oampeggi, beide von Formigine, welcher 
jedoch an spätern Arbeiten sich dem strengern Olassicismus auf nicht 
sehr glückliche Weise nähert.  In Ferrara ist S. Maria in Vado (seit 
1475 von Biagio Rossetti und Bartol. Tristani erbaut), eine ein- 
fach tüchtige Basilica mit Flachdecke, während S. Francesco (1494 von 
Pietro Benvenuti) und S. Benedetto (um 1500 von Gianbattista 
und Alberto Tristani) glänzend reiche Anlagen mit Tonnengewölben 
von Kuppeln unterbrochen oder mit reinen Kuppelfolgen darbieten. An 
der Certosa (seit 1498) ist die Aussendekoration der Seitenfronten beson- 
ders edel. Der mächtige Marmorthurm des Domes zeigt in seinen vor- 
tretenden Halbsäulen und Eckpilastern beinahe ein Zurückgehen auf 
romanische Formen. Von Profangebäuden ist, nach dem Untergang der 
estensischen Lustbauten, nichts mehr von erstem Range übrig; der Pa- 
lazzo de' Diamanti (seit 1493) hat in seiner facettirten Fagade schöne 
Verhältnisse; Pal. Schifa-noja (gewöhnlich Scandiana genannt) (seit 1470) 
ist nur durch seine Wandmalereien wichtig. Von Privatpalästen hat Pal. 
Roverella eine zierliche Backsteinfaeade, Pal. Scrofa einen schlanken 
Säulenhof. (Die Säulen sind in Ferrara insgemein wieder marmorn, nicht 
aus Backsteinen zusammengesetzt).  Ausserdem gewähren die damals 
neu erbauten Quartiere V01! Ferrara ein besonderes Interesse als frühßließ 
grosses Beispiel einer planmässig von oben geleiteten Stadtanlage-
        

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