Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695150
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Die mod. 
Arch. 
des 
bis gegen das Ende 
J ahrh. 
thätigen Florentiner repräsentiren diesen ganz eigenthümlichen mailän- 
dischen Prachtstyl: Antonio Filarete (eigentlich Averulino) der Erbauer 
der ältesten Theile des Ospedal maggiore, und Michelozzo (S. 239), 
welcher hier die grosse Backsteinkapelle hinter S. Eustorgio und den 
(noch im Umbau beachtenswerthen jetzigen) Pal. Vismara erbaute.  
Dann wurde mit directer Absicht das Höchste des baulichen und plasti- 
schen Luxus erstrebt in dem Weiterbau der schon in gothischer Zeit 
begonnenen Certosa von Pavia; die Marmorfacade des Ambrogio 
Borgognone (1473 u. f.) mit dem edelsten und reichsten, aber für die 
Gesammtwirkung grösstentheils werthlosen Detail, und die beiden Back- 
steinhöfe.  Eine weitere Reihe von Denkmälern gilt als Jugendarbeiten 
des Bramante von Urbino, wobei selbst die Mitwirkung des Lionardo 
da Vinci als möglich betrachtet wird: vor Allem der Ohorbau von S. 
Maria delle Grazie zu Mailand, grossartig malerisch sich aufbauend, 
mit glänzend origineller, gemässigter Dekoration in Stein und Backstein; 
 sodann S. Satiro, eine Pfeilerkirche mit Tonnengewölbe, aussen schon 
classicistisch in Backstein;  daran stossend eine sehr schöne achteckige 
Sakristei, unten mit Nischen, oben mit einem Umgang;  mehrere Klo- 
sterhöfe;  das prächtige Fragment einer Halle links von S. Ambrogio; 
 endlich S. Maria presso S. Oelso, eine Pfeilerkirche mit Tonnenge- 
wölbe, Kuppel und Ohorumgang; vor der (neuern) Fagade eine viersei- 
tige Pfeilerhalle, deren Styl bereits zu hoher, classischer Schönheit geläu- 
tert istf Von Palästen jener Zeit ist selten mehr als der Säulenhof 
erhalten; z. B.: die beiden im sogen. Broletto; bisweilen sind die Bogen- 
Füllungen mit Medaillons geschmückt, welche sammt allen Profilirungen 
von Backstein sind.  Eine sehr eigenthümliche Kirchenanlage ist die 
des Monastero maggiore, von Giovanni Dolcebuono; ein Langhaus 
mit Kreuzgewölben, begleitet unten von viereckigen Nischen", oben von 
einer luftigen Galerie, durchweg bemalt und auch in den Gliederungen 
auf Bemalung berechnet.  Eine grosse achteckige Grabkapelle des 
Hauses Trivulzio (1518) dient als Eingangshalle der Kirche S. Nazaro. 
In Oomo vollendete Tommaso Rodari seit 1513 den gothisch 
begonnenen Dom, indem er das Motiv im Sinne der Renaissance, und 
zwar schon in fast classicistischer Würde umdeutete. Ihm schreibt man 
auch die elegante Marmorfagade der Kathedrale von Lugano zu. 
In den Städten an der Via Emilia südlich vom Po herrscht der 
Backsteinbau sehr wesentlich vor und entwickelt an kirchlichen sowohl 
als an profanen Gebäuden eine reizvolle, bisweilen grossartige Dispo- 
sitions- und Compositionsweise und ein reiches Detail 2 des Aenssern, 
während der Schmuck des "Innern eher dem Stucco und der Malerei 
überlassen bleibt. Die Kirchen sind meist Langbauten mit nur wenig 
1 Andere Bauten, wo der Name Bramantds beinahe zum blossen Gattungs- 
namen geworden, übergeliend, müssen wir nur die Vorhalle des Domes von 
Spoleto erwähnen, weniger weil sie zwischen die mailändische und römische 
Zeit des Meisters versetzt wird. als wegen ihrer hohen Eleganz, wer auch der 
Urheber sei.  2 Dieses Detail mehr als die Wirkung der Ensembles findet sich 
dargestellt in dem Werk von Runge: italienische Backsteinbauten etc.
        

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