Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695140
italienische Architektur des 
Die 
1 5. Jahrhunderts. 
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gewölbe, welche die Kuppeln tragen. Ein schönes Beispiel dieser Art 
ist die von Giorgio Spavento begonnene, von Tullio Lombardo 
fortgesetzte und 1534 vollendete Kirche S. Salvatore in Venedig; gross- 
artiger noch S. Giustina in Padua, begonnen 1521 von Andrea Ric- 
cio, ein Gebäude von edelster Harmonie, wenn nicht die Rivalität mit 
der Kirche S. Antonio zu einer unschönen Vervielfachung der thurmar- 
tigen Kuppeln geführt hätte.  Von den Brüderschaftsgebäuden (Scuole) 
in Venedig sind vorzüglich zu nennen: die Scuola di S. Marco, neben 
der Kirche S. Giovanni ePaolo, erbaut von Martino Lombardo, 1485; 
ausgezeichnet durch ihre sehr reiche und glänzende Facade, die sich als 
eine Art freier Nachahmung der Fagade von S. Marco herausstellt.  
Die Scuola di S. Rocco, 1517, von Bartolommeo Buono und Andern 
erbaut, im Inneren mit schönen Säulensälen, im Aeusseren ebenfalls mit 
einer brillant phantastischen Fagade, diese von dem Architekten Saar- 
pagnino, vielleicht nach einem Entwurf des Pietro Lombardo. 
Als einer der vorzüglichsten Baumeister dieser Schule ist ferner noch 
der gelehrte Architekt Fra Giocondo, aus Verona, zu nennen. In 
Venedig rührt von ihm der Fondaco de" Tedeschi, ein weniger merk- 
würdiges Gebäude her; sehr bedeutend und interessant durch Feinheit 
des Details ist dagegen der Rathspalast (Palazzo del Consiglio), den er 
zu Verona baute. Nach Frankreich berufen, baute er in Paris die 
Brücke Notre Dame, später in Verona die dortige massive Brücke.  
In den Städten des venezianischen Festlandes kommt noch 
einiges sehr Bedeutende aus dieser Schule vor: in Treviso der Dom, 
von Pietro und Tullio Lombardo, nebst andern Kirchen etc.; in 
Brescia die prachtvolle Kirche S. Maria de' miracoli mit 4 wunderlich 
auf die Kreuzarme vertheilten Kuppeln etc. In vielen andern Bauten 
derselben Gegenden aber überwiegen andere oberitalische Schattirungen 
dieses Styles; so in der zierlichen Loggia del consiglio zu Padua, von 
dem Ferraresen Biagio Rossetti; in einer Anzahl kleiner Facaden 
zu Vicenza; in den damaligen Kirchen von Verona, unter welchen 
S. Maria in organo, eine Basilika mit Tonnengewölbe, am meisten inter- 
essantes Detail enthält;  endlich in dem mächtigen Palazzo communale 
zu Brescia (erbaut 1508 von Formentone, vollendet in der zweiten 
Hälfte des 16. Jahrhunderts) u. A. m. 
In ganz Oberitalien war der monumentale Geist äusserst rege, 
und als der neue Styl, ohne Zweifel wesentlich von Florenz aus, dorthin 
gelangte, wurde er nirgends knechtisch angenommen, sondern ging fast 
in jeder Stadt eine besondere Verbindung mit jenem Geiste ein. Hier 
lebt der Typus dieser Frührenaissance bis weit ins 16. Jahrhundert hinein. 
Mailand unter dem letzten Visconti und noch mehr unter dem 
ersten und dem dritten Sforza füllte sich mit Werken an, welche den 
Charakter einer heitern Pracht, sowohl in weissem Marmor als in Back- 
stein auf das Glücklichste darstellten (während der Fortbau des Domes 
und vielleicht eine noch nicht erloschene eigene Geschmacksrichtung auch 
noch den gothischen Styl einige Zeit am Leben erhielt). Schon die hier
        

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