Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695121
Die italienische Architektur des 
Jahrhunderts. 
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sten des romanischen und des gothischen Styles entgegengetreten war; 
der oifne heitre Charakter der letzteren, namentlich jene Anordnung gros- 
ser Fensterlogen an den mittleren Theilen, wird beibehalten, und nur 
das architektonische Detail, namentlich das der Säulen und Bögen, welche 
die Fensterfüllungen bilden, mit ebensoviel Glück wie Geschmack in an- 
tiken Formen gebildet. Die venetianischen Paläste dieser Zeit zeichnen 
sich, im Gegensatz gegen den machtvollen Ernst jener Paläste von Tos- 
kana, durch Leichtigkeit und Eleganz aus; eine besondre Weise der De- 
koration, die sich auf die ältesten venetianischen Vorbilder, auf die An- 
lagen des byzantinischen Styles (wie S. Marco), zu gründen scheint, dient 
vortheilhaft zur Verstärkung dieses Eindruckes. Es ist eine Art musivisch 
farbigen Schmuckes, indem Täfelungen, Kreise, Leistenwerk und derglei- 
chen, aus verschiedenfarbigem werthvollem Steine gebildet, als Füllstücke 
in das Mauerwerk der Facaden eingelassen sind. Die kirchlichen Ge- 
bäude, im Inneren zwar weniger bedeutend, nehmen in der Gestaltung 
ihres Aeusseren an diesen Einrichtungen Theil; auch zeigt sich hier noch 
eine bemerkenswerthe, der byzantinischen Architektur entnommene Eigen- 
thümlichkeit, welche sich mit der phantastischen und doch reizvollen 
Pracht jener gesammten Dekorationsweise auf ansprechende Weise ver- 
einigt; diese besteht in der Form der halbrunden Giebel des byzantinischen 
Styles, die sich nunmehr auf mannigfach brillante Weise gestalten.  
Als die Meister der Bauanlagen dieser Art werden verschiedene Archi- 
tekten namhaft gemacht, doch ist es schwer, den Einzelnen das ihnen 
Zugehörige anzuweisen. Besonders zahlreich sind die Werke, die man 
der Familie der Lombardi zuschreibt; als die ausgezeichnetsten unter 
den Gliedern dieser Familie werden Martino und Pietro Lombardo 
genannt. 
Unter den venetianischen Palästen der in Rede stehenden Periode 
sind als Hauptbeispiele zu nennen: der Palast Pisani a S. Polo, ebenso 
geschmackvoll in der Gesammt-Anlage wie durch die Feinheit und Tüch- 
tigkeit des Details ausgezeichnet; jedes Geschoss durch vier Pilaster in 
drei Haupttheile gesondert, wobei die Logen der mittleren Theile durch 
zierliche Säulen-Arkaden gebildet werden, während in den Seitentheilen 
einzelne Bogenfenster angebracht sind.  Die Paläste Angarani (oder 
Manzoni) und Dario, beide in ähnlichem Styl und mit sehr reicher Deko- 
ration Versehen.  Der Palast Vendramin Calergi, 1481, als Werk des 
Pietro Lombardo geltend; in ähnlich reichem Schmuck, doch schon 
strenger antikisirend, indem z. B. die Hauptlogen in je drei grosse Bo- 
genfenster zerfallen, die von Halbsäulen mit geraden Gebälken getrennt 
werden; (übrigens noch jedes Fenster durch eine Säule mit kleineren 
Bögen ausgefüllt).  Der Palast Corner Spinelli, in verwandtem System. 
 Der Palast Contarini, 1504; etwas strenger, doch ebenfalls mit feinem 
Geschmack ausgeführt.  Der Pal. Trevisan hinter dem Dogenpalast.  
Der Palast de" Camerlinghi neben Ponte Rialto, gebaut von Guglielmo 
Bergamasco, 1525; höchst anmuthvoll, aber schon Arkadenfenster mit 
Pfeilern.  Hauptbauten vom Ende des 15. Jahrhunderts sind endlich 
die Procuratie vecchie am Markusplatze, von Mastro Bartolommeo 
Buono Bergamasco erbaut, die Facade bestehend aus drei sehr tüch-
        

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