Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695085
Architektur 
Die italienische 
des 
Jahrhdndert-s. 
239 
gen Theile des Gebäudes ausgeführt waren. Sein Beispiel musste um 
so entschiedener wirken, als das Unternehmen selbst für den Staat von 
höchster Bedeutung war; lange Zeit hatte man mit der Ausführung des- 
selben angestanden, indem man an deren Möglichkeit zweifelte; Brunel- 
leschi aber vermochte es, die letztere nachzuweisen, und er trug ihiemit, 
in einer grossen Versammlung von Baumeistern aller Länder, die zu die- 
sem Behuf im J. 1420 ausgeschrieben war, den Sieg davon. (Die Laterne 
der Domkuppel ward erst nach seinem Tode, 1461, beendet.)  Dann 
rühren von ihm die beiden Horentinischen Kirchen S. Lorenzo und 
S. Spirito, beides Basiliken, her; die letztere erst nach seinem Tode und 
nicht ohne Vilillkür ausgeführt, das Motiv bei beiden ähnlich, doch nicht 
identisch; Säulen, jede mit einem besondern Gebälkstück bedeckt, durch 
Halbkreisbögen verbunden; ihnen entsprechend Halbsäulen an den ÄlVän- 
den der Seitenschiffe, und zwischen diesen gegliederte Wandnischeu; die 
Altarseite nicht mit einer Tribune, sondern gerade abgeschlossen; in S. 
Spirito ist ein Umgang um Chor und Querarme herumgeführt. Leider 
fehlen beiden Kirchen die Fagaden, welche, nach des Meisters Absicht 
ausgeführt, den grössten Einfluss auf die Nachfolger hätten ausüben müs- 
sen. Kleinere Kirchenbauten Brunelleschfs: diejenige in der Badia von 
Fiesole, mitiTonnengewölbe und Seitenkapellen; die reizvolle Capelle 
der Pazzi im Klosterhof von S. Croce in Florenz und der nur aus ge- 
ringen Mauer-Anfängen und Zeichnungen bekannte Kuppelbau Agli An- 
geli dasclbst, mit einem Kapellenkrauze ringsum.  Neben mehreren 
städtischen Hallen, namentlich am Findelhause (Innocenti) und aufPiazza 
Sta. Maria Novella, ist noch als Klosteranlage Brunelleschfs die genannte 
Badia unweit Fiesole merkwürdig. Ausserdem erbaute er den Palast 
Pitti zu Florenz, ein kolossales, in seiner Einfachheit höchst grossartig 
wirkendes Gebäude, aus ungeheuren Bossagen aufgeführt, die Fenster 
einfach im Halbkreishogen überwölbt. (Der Oberbau des Palastes und 
der Hof desselben sind jedoch erst später zur Ausführung gekommen.) 
Der Burg-Charakter, wie am Palast Pitti, bleibt nun für geraume 
Zeit der Typus der florentinischen Paläste: sie erscheinen, in Mitten des 
städtischen Verkehres, als feste Schlösser, in denen die angesehensten 
Geschlechter residiren, charakteristisch für die Nachwirkung mittelalter- 
licher Lebensverhältnisse, die sich auch in der in Rede stehenden Periode 
noch häufig genug von Einfluss zeigten, Aber es gelang den iiorentini- 
sehen Baumeistern, der schlichten Anlage zugleich das Gepräge künstle- 
rischer Würde und Schönheit zu geben: durch gemessene Gestaltung je- 
ner grossßll Werkstücke (der Bossagen), aus denen die Paläste aufgeführt 
wurden, durch ein kräftig abschliessendes und krönendes Hauptgesims, 
durch zierliche Füllung der Fenster u. s. w.  Hieher gehört zunächst. 
von Brunellesßhi Selbßii ausgeführt, der zierliche Pal. Quaratesi, sodann 
als eins der wichtigsten Beispiele, der Palast, den Brunelleschfs vorzüg- 
lichster Schüler Michelozzo Michelozi für Cosimo Medici baute (jetzt 
Palast Riccardi); kräftige Gesimse theilen dessen Facade ab; auf diesen 
ruhen die Fenster, llalbkreisbogig, nach mittelalterlichem Princip durch 
eine Säule mit zwei kleineren Halbkreisbögen ausgefüllt; das Ganze 
krönt ein wcit ausladendes, von Consolen gestütztes Hauptgesims. 
        

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