Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695076
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Kill" 
Die mod. 
Arch. 
bis 
des 
gegen das Ende 
18. Jahrh. 
die moderne Architektur diese Schritte des 15. Jahrhunderts länger ver- 
folgt, hätte sie sich nicht späterhin einem vorgeblich antiken, in der That 
aber einseitig von einer geringen Anzahl antiker Gebäude abstrahirten 
Canon gefügt, so würde sie neben den schönen rhythmischen Verhältnissen 
auch einen lebensvollern und schönern Organismus des Einzelnen beibe- 
halten und. weiter ausgebildet haben. 
Bedeutsam erscheint zunächst und vorzugsweise diePalast-Arehitektur 
dieser Periode. Die architektonischen Massen werden hier noch kräftig 
und grossartig zusammengehalten, ohne durch eine vorgesetzte Schein- 
Architektur auf eine dem Auge gefällige, immerhin jedoch conventionellc 
Weise belebt zu sein; aber da, wo die Massen sich naturgemäss in ein- 
zelne Theile sondern, namentlich an den Oelfnungen der Fenster und 
Thüren, entwickelt sich gleichwohl eine bewegtere Gliederung, wozu die 
Formen der antiken Kunst mit Geist und mit Geschmack verwandt 
werden. Freilich ist dies nur eine Architektur des Aeusseren, doch ist 
dieselbe viel mehr als eine miissige Dekoration. Auch die kirchlichen 
Gebäude erhielten eine analoge, bisweilen anmuthige und grossartige 
Gliederung. Das Innere zeigt zunächst eine geschmackvolle Umgestal- 
tung der mittelalterlichen Dispositionsweisen; so findet sich in einigen 
Kirchen, welche der früheren Zeit des 15. Jahrhunderts angehören, ein 
geistreiches Zuriickgehen auf die einfache Basilikenform; später erschei- 
nen Gewölbanlagen nach römischer Art, mit massigen, durch Pilaster 
bekleideten Pfeilern, zumeist auch mit Kuppeln, nach jener, ehemals im 
byzantinischen Reiche ausgebildeten Weise. Ausserdem hat das ganze 
15. Jahrhundert ein Ideal des Centralbaues verfolgt, wozu das Pantheon 
in Rom den nächsten Anlass gab; über den absoluten Vorzug der cen- 
tralen Anlagen herrschte, wie es scheint, kein Zweifel. Ein speciiischer 
Widerwille gegen das Kreuzgewölbe, welches für die Längen-Be- 
wegung des gothischen Kirchenbaues so wesentlich gewesen war, ist nicht 
zu verkennen. 
Mit der Erneuerung antiker Bauformen ging eine hohe Ausbildung 
der ganzen dekorativen Kunst in demselben Sinne Hand in Hand. Ge- 
mäss dem echten Prachtsinn und Reichthum des damaligen Italiens er- 
hielten nicht nur alle beweglichen und unbeweglichen Geräthe, Einbauten, 
Grabmäler, Altäre, Kanzeln, Bekleidungen u. s. w. die reichste Ausstattung, 
sondern auch die Architektur selbst füllte sich mit schmückenden Ein- 
zeltheilen an und bediente sich zu diesem Ende oft der kostbarsten 
Incrustationen. . ' 
 Wir unterscheiden in der Pßrißde deS 15. Jahrhunderts einige nam- 
hafte Bauschulenß Als die bedeutendste derselben tritt uns zuerst die 
toskanische Schule, die in Florenz ihren Sitz hat, entgegen. 
 Hier steht, als der vorzüglichste Begründer der {modernen Arehigek- 
tur, Filippo Brunelleschi (1375-1446) voran. Von ihm rührt zu- 
nächst der Bau der kolossalen Kuppel her, mit welcher die Chorpartie 
deS DOIIICS W11 Florenz bßdeßkt ist; Brunelleschi schloss sich dabei je- 
doch in den Hauptformen dem gothischen Style an, in welchem die übri-
        

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