Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1695066
Die italienische Architektur 
des 
Jahrhunderts. 
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hier die Unterschiede ungleich geringer ins Auge fallen, als bei den 
Werken der bildenden Kunst. Die besonderen Eigenthümlichkeiten der 
modernen Architektur bewirken sogar einige, nicht unwesentliche Modifi- 
cationen in den Verhältnissen jenes Entwickelungsganges. Es ist dem- 
nach vortheilhaft, die Architektur zunächst gesondert zu betrachten; nur 
was der neuesten Zeit angehört, wird später neben den anderweitigen 
Richtungen der jüngsten Vergangenheit und der Gegenwart zu berüh- 
ren sein. 
Architektur 
italienische 
Die 
des 
Jahrhunderts. 
Italien erscheint als die Wiege der modernen Architektur; die 
Werke, welche dort ausgeführt wurden, blieben fast ausschliesslich das 
Vorbild für die architektonischen Unternehmungen der übrigen Länder. 
Wir haben somit für jetzt imsre vorzüglichste Aufmerksamkeit den Mo- 
numenten dieses Landes zuzuwenden. Hier fand sich die grösste Anzahl 
mehr oder weniger erhaltener Denkmäler aus der Zeit des classischen 
Alterthums vor; doch nicht blos dies äusserliche Verhältniss, sondern 
zugleich das innerliche, dass auch der Geist der Italiener, während der 
gesammten Zeit des Mittelalters, eine gewisse Verwandtschaft mit den 
früheren Bewohnern des Landes bewahrt hatte, war der Grund, dass sie 
zuerst und mit Entschiedenheit auf die Formen der antiken Architektur 
eingingen. Diese ihre Sinnesrichtung hatte es namentlich verhindert, 
dass das gothische Bausystem bei ihnen zu einer klaren Entfaltung ge- 
kommen war. Wenn uns einerseits an ihren gothischen Bauten der rein 
dekorative Gebrauch oder Missbrauch der aus dem Norden überkommenen 
Einzelformen und der Mangel an organischer Durchbildung empfindlich 
auffiel, so war auch unter dieser entlehnten Hülle das Regen eines neuen 
Geistes nicht zu verkennen, welcher statt der rhythmischen Bewegung 
des nordisch Gothischen die Schönheit des Raumes und der Massen zum 
Lebensprincip hatte. Dieser neue Sinn musste schon an sich die Archi- 
tektur  seit überhaupt die Bande der Gothik sich aufzulösen begannen- 
dazu nöthigen, sich den Formen der classischen Kunst wiederum völlig 
hinzugeben. So entwickelt sich in Italien die moderne Architektur be- 
reits in der frühern Zeit des 15. Jahrhunderts; und nur in einzelnen 
Ausnahmen (die besonders der Lombardei angehören) sehen wir im Ver- 
lauf dieses Jahrhunderts noch Bauwerke gothisohen Styles ausführen, der 
diesseits der Alpen geraume Zeit noch entschieden vorherrschend blieb. 
Die ersten Unternehmungen, die in Italien, im Verlauf des 15. Jahr- 
hunderts, zur Gestaltung und Ausbildung des modernen Architekturstyles 
geschahen, bilden die eigentliche Blüthezeit desselben. An der Gränz- 
Scheide des romantischen Zeitalters stehend, weht auf sie noch ein frische- 
rer Lebcnshauch herüber, der ihnen ein anziehendes Gepräge verleiht. 
Noch bemüht man sich, mit Selbständigkeit die klassischen Formen auf-- 
Zufassen und diese mit besondrer Rücksicht auf das, von den antiken 
Gebäuden abweichende Ganze auszubilden, während sich später das- 
Ganze vielmehr dem, als unabweisliches Princip  und trotzdem (10011 
nur unvollständig-aufgenommenen antiken Systeme fügen muss. Hätte-
        

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