Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1694865
Vierte Periode. 
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schlanken Arkaden haben die Nikolaikirche zu Amsterdam; die J0-' 
hanniskirche zu Hoorn, der Chor seit 1405, das Schiff seit 1429; die 
Jakobskirche im Haag vom J. 1434, die Lorenzkirche zu Weesp, 1462 
geweiht u. a. Aehnlich die Walburgiskirche zu Zütphen, nach einem 
Brande vom J. 1446 mit Beibehaltung älterer romanischer Theile umge- 
staltet.  Als zweischiffige Hallenkirehen sind die Minoritenkirche 
und die Bethlehemskirche zu Zwolle, die katholische Kirche zu 
Deventer und die Klosterkirche im Haag, als einschiffige Kreuzanlage 
die Fraruenkirche zu Zwolle zu nennen. 
Die 
britischen 
Lande 
Die englische Architektur erreicht gerade in dieser Spätzeit ihre 
ausgeprägteste Gestalt. Hallenartig und frei erheben sich die Gebäude, 
mit weiten, lichten Fenstern, deren reiches Maasswerk mehr und mehr 
aus perpendiculär niederlaufenden Stäben besteht (nperpendicular style"); 
die Strebebögen fallen fort, die Strebesystcme werden auf's Aeusserste 
vereinfacht, und in der Anordnung der Decken gewinnen prächtig aus- 
gestattete Holzdecken die Überhand. Die Bögen werden meistens in der 
gedrückten Form des sogenannten „Tud0rb0gcns" gebildet (seit der 
zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts). Alle Flächen erhalten ein leisten- 
artiges Maaswerk, welches die kräftige, einfache Eintheilung der Gliede- 
rung mit spielendem Schmuck verdeckt. Das Aeussere erhält durch 
Bäche Dächer hinter hohen Zinnenkränzen einen schlichten Horizontalis- 
mus; vor der Facade erhebt sich meist ein einzelner stattlicher Thurm. 
Aus der Frühzeit des 15. Jahrhunderts datirt die ansehnliche Red- 
cliHe-Kirche zu Bristol, mit angebauter Lady-Chapel und dreischifügem 
Querhaus, das Mittelschiff mit gegliederten Bündelpfeilern und reichen 
Netzgewölben, die Fenster mit perpendiculärem Maasswerk.  Nicht min- 
der bezeichnet die Kirche zu Bath (1500-39) die spätere Epoche; auch 
hier sind gegliederte Pfeiler und Arkaden, letztere in der gedrückten Form 
des Tudorbogens, die Gewölbe in zierlicher Fächerform; die weiten und 
hohen Fenster haben dem Gebäude die Bezeichnung der "Laterne von 
England" verschafft.  Aeltere Monumente erhielten gleichzeitig ihre 
Wölbungen oder besondre Zusätze zur früheren Anlage. S0 der Chor 
der Kathedrale von Norwich, dessen glänzender Oberbau sammt an- 
deren Umgestaltungen der älteren Theile der gothischen Schlussepoche an- 
gehört; so der Ohor der Prioratskirche von Christchurch in Hamp- 
shire u. a.   
Die meisten Denkmäler, namentlich der südöstlichen Distrikte, haben 
reiche Holzdecken und eine diesen entsprechende Anlage und Gliederung. 
Als vgrzügliches Beispiel gilt hier die Kirche von Melford mit schlan- 
kell, edel gegliederten Pfeilern, mit Diensten für die reich entwickelte 
Decke, mit klar disponirtem, durch einen Zinnenkranz abgeschlossenem 
Aeussern.  Nicht minder stattlich die Kirche von Lavenham, im 
Innern und Aeussern noch glänzender geschmückt;  ähnlich die Kirche 
von Thaxsted mit vorzüglich reich entwickelten Seitenschiiifenstern; sodann
        

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