Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1694839
214 
Styles. 
gothischen 
Die Kunst des 
gekünsteltes, in spielenden Dekorationsformen behandeltes Werk. Dom 
System des Antwerpener Doms schliessen sich an: die Kirche St. Pierre 
zu Löwen, deren Chor um 1433 erbaut wurde, mit einer mächtigen, 
auf drei Thürme angelegten Fagade; Ste. Waudru zu Bergen (Mons), 
circa 1450-1582 ausgeführt, ein durch erhabene Verhältnisse und reiche 
Maasswerkausstattung hervorragender Bau; und die spätere Abteikirche 
von St. Hubert (Luxemburg), 1526 begonnen und in der zweiten Hälfte 
des Jahrhunderts vollendet.  Verwandte Richtung bekunden die jünge- 
ren Theile des Langhauses von St. Bavo zu Gent, 1533-50 erbaut; 
die Kirche St. Jacques zu Lüttich von 1513-38, mit polygonem 
Chor und Kapellenklanz ohne Umgang, zugleich in einer an spanische 
Dekorationsweise erinnernden Ausstattung, namentlich mit iiligranartigen 
Bogensäumungen und glänzend verzierten Stern- und Netzgewölben; eben- 
daselbst die einfach strenge Kirche S. Martin, 1542 vollendet, mit klar 
gegliedertem Bündelpfeiler.  Als eins der edelsten Werke der Schluss- 
epoche wird endlich die im J. 1793 zerstörte, von 1568-76 erbaute Ab- 
teikirche von Lobet im Hennegau gepriesen. 
Dekorative Arbeiten der Spätzeit sind die Kapelle des heil. Blutes 
zu Brügge in ihren jüngeren Theilen, namentlich dem Seitenportikus 
vom J. 1533, und die Kapelle du St. Sacrement des llliracles an Ste. Gu- 
dule zu Brüssel, 1533-39 erbaut, beide schon mit Ilinneigung zu Re- 
naissanceformen; ferner ein Prachttabernakel vom J. 1433 in St. Pierre 
zu Löwen, besonders aber einige Lettner, vorzüglich in der letztgenann- 
ten Kirche, in den Kirchen von Aerschot, von Tessenderloo, von 
Dixmuiden, in S. Gommaire zu Lierre vom Jahr 1534, Werke einer 
phantastisch üppigen Laune. 
Unter den Profanbauten gehören dieser Zeit an: die Hallen zu Gent 
vom J. 1424, die zu Antwerpen (für die Fleischer) von 1500-3 ausge- 
führt; das Haus der Schiffer zu Gent vom J. 1531; vorzüglich aber das 
Stadthaus zu Brüssel, ' 1401 gegründet und durch den Meister J. van 
Thiemen erbaut, das glänzendste und grossartigste Werk dieser Art, 
verbunden mit dem 340 Fuss hohen Glockenthurme der Stadt, dessen 
schlanke Spitze 1455 durch J. de Ruysbrock beendet wurde; das 
Stadthaus von Löwen, 1448 begonnen, im Aeussern 1459, im Innern 
1463 vollendet, kleiner aber mit noch grösserem Reichthum der Aus- 
schmückrmg; das einfachere, aber edel gegliederte Stadthaus zu Bergen, 
seit 1458 erbaut, und ähnlich das zu Oudenarde, (1527-30), an wel- 
chem die Motive der Stadthäuser zu Löwen und Brüssel zu neuen und 
bedeutsamen Umgestaltungen verwendet erscheinen. Ferner das Stadthaus. 
zu Gent, 1481 begonnen und erst spät vollendet, das von Courtray (1526 
bis 1528 in einfacherer Behandlung; das prächtigere, doch nicht sehr bar- 
monische von Arras und das zu Leau ebenfalls aus dem 16, Jahrhundgrt 
Ein phantastisches Werk der Spätzeit war sodann die seit 1531 erbaute 
neuerdings abgebrannte Börs e von Antwerpen, 2 offne, in zwei Geschossen 
einen freien Hof umziehende Hallen auf Säulen und Flachbögen, deren 
Dekoration bereits die Einliüsse der Renaissance verräth; ungefähr gleich- 
' Denkmäler der Kunst, 
Ebenda,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.