Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1694819
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Styles. 
Die Kunst des gothischen 
von St. Maximin mit der Datumbezeichnung 1480 in diese Spätzcit; 
ausserdem die Fagaden von St. Pierre zu Avignon und der Kathedrale- 
zu Aix.   
Als ein merkwürdiger Beweis spätester Ausübung der Gothik ist die 
von 1601-1790 erbaute Kathedrale von Orleans schliesslich aufzuführen- 
Wenn auch in den Details nüchtern und ohne lebendiges Gefühl, bildet" 
sie doch in allen wesentlichen Momenten das gothische System in seiner 
vcllen Consequenz, brillant und selbst in grossartiger Harmonie, bis in's. 
länzelne nach, mit den älteren Kathedralen wetteifernd. 
Unter den Werken dekorativer Tendenz steht wohl die südliche Vor-e 
halle der Kathedrale von Alby als eins der phantasievollsten, reichsten 
imd graziösesten Schöpfungen dieser Art obenan. Es ist als ob arabische 
Schmuckwerke den Meister zu dieser wunderbaren Arbeit begeistert hät- 
ten. Aehnlich die Chorschnecken und der Lettner in derselben Kathedrale. 
Entschieden an spanisch-maurische Art erinnert endlich noch ein 
Profangebäude, der Justizpalast zu Perpignan, ein Bau von stattlich. 
massenhafter Wirkung. 
Niederlande. 
Die bereits in der vorigen Epoche hervortretende nationale Umwand- 
lung der gothischen Formen vollzieht sich auch in der Spätzeit nach 
ähnlichem Princip, und nur die grössere Nüchternheit bei den kirchlichen, 
die grössere Pracht bei -den profanen Gebäuden scheint eine unwesent- 
liche Modiücation zu erzeugen. 
Unter den belgischen Denkmälern ist zunächst die Kirche Notre- 
Dame du Sablon (oder Notre-Dame des Victoires) zu Brüssel zu erwäh- 
nen, ein Werk der Spätzeit des 15. Jahrhunderts, mit leichten, lebendig 
gegliederten Pfeilern. Aus gleicher Epoche ebendaselbst die Kirchen 
 de la Ohapelle (das Langhaus), St. Jean Baptiste und Ste. 
Catherine.  Die Kathedrale zu Mecheln, nach einem Brande vom 
J. 1341 erneuert, gehört zum Theil noch dem 14. Jahrhundert, wurde 
indess erst 1487 gewölbt; der Chor, aus der ersten Hälfte des 15. Jahr-e 
hunderts, hat die vollständige französische Anlage, der mächtige West- 
thurm, 1452 gegründet, ist von stattlichster Wirkung. An diese sich an- 
schliessend die Kirche Notre-Dame daselbst, aus der zweiten Hälfte 
des 15. Jahrhunderts.  Vorzüglich durchgebildet sodann die seit 1416 
erbaute Kirche St. Sulpice zu Diest, die Kirche S. Gommaire zuLierre, 
1425 gegründet, 1515 vollendet, St. Jacques zu Antwerpen, (1429 
bis 1560) mit bedeutendem Westthurm, u. a. m. Einen Uebergang zu 
den holländischen Bauten bezeichnet die Kirche zu Hoogstracten, 
aus dem 16. Jahrhundert datirend. 
Weiter östlich in Lüttich die oberen Theile von St. Paul, die 
Hßllßnkirche Ste- Oroixa und zu Hllfdie Collegiatkirche Notre-Dame, 
nach einem Brande von 1499 durchgreifend erneuert, 
In den flandrischen Landen ist die Kirche Ste. Walburge zu Oude-. 
narde ein nüchterner, in mächtigen Dimensionen durchgeführter Bau y
        

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