Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1694723
Vierte Periode. 
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Schlesien weist in dieser Epoche nur einige minder bedeutende 
Werke auf: so in Breslau die Kirchen Corpus Christi, S. Vincenz 
und S. Bernhardin (1464-66). In Brieg die Nikolaikirehe von 
1370-1418, mit erhöhtem, selbständig beleuchtetem lilittelschif, die Pe- 
terskirche und die Marienkirche zu Liegnitz, die kathol. Kirche zu 
Schweidnitz, die Jakobikirche zu Neisse, eine stattliche Hallenanlage, 
die kathol. Pfarrkirehe zu Gleiwitz (1504) u. a. m. 
Als bedeutender Profanbau der Spätepoehe ist das Rathhaus zu 
Breslau zu nennen, dessen glänzende Aussendekoration der Spätzeit 
des 15. Jahrhunderts angehört. 
Den schlesischen Bauten verwandt erscheinen die Denkmäler von 
Krakau. Ein bedeutender Hochbau ist der Dom, mit reich geglieder- 
ten Pfeilern, und einem geraden Chorschluss sainmt Umgang. Schlichter 
behandelt die Frauen kirehe, mit Kapellenreihen zwischen den Strebe- 
pfeilern; das Langhaus der Dominikanerkirche und die h. Kreuz- 
kirche (um 1500), ein quadratisches Schilf, dessen zierliches Gewölbe 
auf einer Mittelsäule ruht.  Eine grossartige Befestigungsanlage ist das 
Floriansthor vom Jahr 1498, ein ausgedehnter mit Thürmen und 
weitem Zwinger "ausgestatteter Bau. 
In Mecklenburg erfahrt in dieser Zeit (gegen 1430) der Dom zu 
Schwerin seine Vollendung; Wismar fügt den früheren bedeutenden 
Monumenten seine Nikolaikirche hinzu, 1460 geweiht, ganz nach dem 
Vorbilde von S. Marien, aber mit reieherer Ausstattung und 128 F. hohen 
Gewölben. In Rostock erhebt sich die kolossale Marienkirche (1398 
bis nach 1472) zu nicht minder bedeutenden Höhenverhältnissen bei rei- 
cher durch glasirte Steine bewirkten Fläehendekoration- In verwandter 
Anlage die Nikolaikirche zu Lüneburg.  Dem Hallensystem folgt da- 
gegen das Langhaus des Domes zu Verden, 1473-90 ausgeführt. 
Als tüchtige Zeugnisse dekorativer Kunst sind zwei Werke in Lü- 
beck zu nennen: der Lettner im Dom, mit Granitsäulen und holzge- 
schnitzter Brüstung, und. ein in Erz gegossenes Tabernakel der Marien- 
kirche, nein glänzendes Werk der Meister Nicolaus Rughesee und 
Nicolaus Gruden vom J. 1479. 
Auch der Profanbau trägt die dekorative Richtung dieser Epoche 
zur Schau. Die Rathhäuser zu Hannover, Lübeck, Rostock, viele Pri- 
vathäuser in denselben Städten und in Lüneburg, Wismar u. A. ge- 
ben interessante Beispiele. Dazu kommt in Hannover ein reicher Fach- 
werksbau, besonders an dem Apotheken-Flügel des Rathhauses. 
111 (1611 brandenburgischen Marken wird um den Beginn dieser 
Epoche der ansehnliche und durch überreiche Aussendekoration ausge- 
zeichnete Bau derKatharinenkirche zu Brandenburg, die 1401 durch 
Meister Heinrich Brunsberg aus Stettin begonnen wurde, ausgeführt; 
ein Hallenbau ,mit hohem Ohorumgang und eingezogenen Strebepfeilern. 
Die frei durchbrochen gearbeiteten Ziergiebel des Aeussern sind ein Mei- 
sterstüek brillantester Ziegeldekoration.  In ähnlicher Pracht ist die 
Marienkirche zu Königsberg in der Neumark, 1407 geweiht, ausge- 
stattet. Aus späterer Zeit datiren die "ebenso reich geschmückten Bauten 
der Sehlosskirche von Ziesar bei Brandenburg (1472) und der
        

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