Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1694682
Vierte Periode. 
199 
Glockenhaus zwischen zwei Westthürmen; so in Magdeburg die unge- 
mein zierliche und elegante Sebastianskirche. 
Der Profanbau dieser Gegenden bildet einen oft zierlich behandelten 
Fachwerkbau aus; Halberstadt, Braunschweig, Quedlinburg, 
Magdeburg, bieten eine Reihe interessanter Beispiele. 
Erfurt hat zwei bedeutende Hallenbauten aus der Spätzeit des 
15. Jahrhunderts: das Langhaus des Domes mit ungemein freier weiter 
Anlage, die Seitenschiffe breiter als das Mittelschiff, und die fiinfschiffige 
Severi-Kirche. In verwandter Behandlung das Schiif des Doms zu 
Nordhausen. 
Noch entschiedener nehmen die obersächsischen Bauten das Hallen- 
system auf, meist in schlichter Behandlung mit reichen Netzgewölben, 
doch nicht ohne schmuckvollere Entfaltung gewisser Einzeltheile. Wichtige 
Beispiele bietet Halle mit seiner Moritzkirche, deren zierlich dekorir- 
ter Chor seit 1388 erbaut wurde, während das Schiff jüngerer Zeit an- 
gehört; seiner 1310 vollendeten Ulrichskirche, die nur ein Seitenschiff 
hat; seiner sehr einfachen Domkirche, 1523 geweiht und 1589 herge- 
stellt; besonders seiner stattlichen und edel entwickelten Liebfrauen- 
oder Marktkirche, 1530-54 durch Nicolaus Hoffmann ausgeführt 
mit vier von älteren Bauten herrührenden Thürmen. Ausserdem als 
Profanbauten daselbst die mächtige Ruine der Moritzburg (1484-1503) 
und das Rathha-us aus derselben Spätzeit.  
Den hallischen Bauten nahe verwandt sind einige benachbarte 
Werke; die Nikolaikirche zu Zerbst, mit stattlichem Chorumgang 
vom J. 1446, das Schiif1488-94 erbaut, die Westseite mit drei Thurm- 
spitzen vom J. 1530; die Marienkirche zu Bernburg mit einfacheren 
Chor; zu Wittenberg die Stadtkirche" und die 1493-99 erbaute 
Schlosskirche, beide modern entstellt.  Weiterhin die einfachst be- 
handelten Kirchen St. Andreas und St. Peter und Paul zu Eisleben; 
das Schilf des Domes zu Merseburg, 1517 geweiht, dessen Nordportal 
ein Voyzüglicheg Beispiel phantastischer Dekoration dieser Spätzeit ge- 
wälnt; die Stadtkirche zu Jena (1472-86); die Wenzelkirche zu 
Naumburg u. a. m. 
Einige Profanbauten sind für die dekorative Tendenz dieser Schule 
charakteristisch. So das zu Neustadt ander Orla, mit reich geschmück- 
tem Erkerbau; das zu Pösneck, zu Saalfeld (1534). Aehnlieh das 
Schloss zu Oberkranichfeld. 
Die Denkmäler des Meissener Landes endlich nehmen eine besohdre 
Bedeutung in Anspruch. In Meissen gehören hieher die jüngeren Theile 
des Domes, 1 besonders der südöstliche Thurm mit seiner zierlich schlan- 
ken durchbrochenen Spitze, sodann auch der westliche Thurmbau sammt 
der Begräbnisskapelle, die sich chorartig an ihn lehnt.  Als grossartig- 
stes Beispiel der Profanbankunst sodann ebenda die Albrechtsburg, 
seit 1471 erbaut, das mächtigste Fürstenschloss des Mittelalters, -jetzt als 
Porzellanfabrik seinem Ruin entgegengehend.  Die Kirchen des "Landes 
sind meist schlichte Hallenbauten mit zierlich verschlungenen Netzgewöl- 
1 Denkmäler der 
Kunst,
        

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