Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1694610
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Die Kunst des gothischen Styles. 
Pfarrkirche zu Salzburg, 1470 erbaut, zeigt Umgang und Kapellen- 
kranz und ist mit Sterngewölben versehen. Andre Werke dieser Spät- 
epoche sind ebendaselbst die N olnnbergkirche (um 1480 erneuert) 
mit einer Krypta, die Zenokirche zu Reichenhall, die Kirchen zu St. 
Wolfgang und zu Mondsee. 
Tyrol weist ebenfalls eine Anzahl von Hallenkirchen dieser Epoche 
auf. So die Kirche zu Schwaz ein vierschifßger Hallenbau vom Jahr 
1502 mit einem Doppelchor, der den beiden Mittelschiffen entspricht. So 
besonders die Pfarrkirche zu Botzen, ein bedeutender Bau mit roma- 
nischen Resten, das Schiff aus dem 14. Jahrhundert, und der Chor mit 
gleich hohen Umgängen aus der Spätzeit. Die Verhältnisse desselben 
sind licht und frei, der mit dem Chor verbundene Thurm auf der Nord- 
seite erhielt 1501-1519 durch Hans Lutz von Schussenried eine durch- 
brcchene Steinspitze.  Einfachere Hallenanlagen zeigen daselbst die 
Kirchen der Franziskaner und der Dominikaner, ein kleinerer 
Bau derselben Epoche das Deutschordenskirchlein zum h. Georg.  In 
der Umgegend "von Botzen die unbedeutenderen Kirchen von Kloster 
Gries, von Lana (1483), von Terlan, und die Pfarrkirche von S. Pauls, 
deren Thurm inschriftlich von 1510-56 erbaut wurde. 
Die Pfarrkirche von Meran hat verwandte Anlage und einen Back- 
steingiebel von fast italienischer Anordnung. Der Thurm datirt noch 
von früherer Zeit (1310-35); die Spitalkirche ebendaselbst, um 1486 
ausgefülnt, ist ein schlichter Hallenbau ähnlicher Art, die Barbaraka- 
pelle, um 1450 errichtet, ein achteckiger Bau mit Sterngewölbe und 
Krypta, endlich ist die Peterskirche zu Trient als südlichstes Beispiel 
deutscher Hallenanlage zu nennen. 
Ausserdem gehören noch hieher: die Expositurkirche zu Percha, 
1525 erbaut; die Expositurkirche zu Mühlbach am Eingange des Tau- 
fers-Thales, vom Jahr 1517; die Kirchen von Luttach (1496), Weis- 
senbach (1479), und als später Nachzügler vom Jahr 1589 die Kirche 
von St. Valentin im Pretau-Thale; u. a. m.  Ferner im oberen Isel- 
thal die Kirche zu Obermauern (1456), die Wallfahrtskirche zum heil, 
Nikolaus bei Windisch-Matrei vom Jahr 1516, und die Pfarrkirche zu 
Lienz, 1457 geweiht, mit einer Krypta. 
Schliesslich in Innsbruck das sogenannte "goldne Dachl", ein rei- 
ches Prachtstück spätgothischer Profanarchitektur, bestehend aus eingm 
Erker des ehemaligen bischöflichen Palastes, aus dem Anfange des 16. 
Jahrhunderts stammend.  
In Oesterreichist vor Allem die Vollendung des riesigen Südthur- 
mes am Stephansdom zu Wien 1 im J. 1433 als grossartigstes Werk 
dieser Epoche hervorzuheben. Unter allen ausgeführten Thurmbauten der 
glänzendste und gewaltigste, erhebt er sich, gleich von der Sohle an sieh 
stark pyramidal verjüngend, über und über mit Maasswerk bedeckt und 
durchaus in eine wuehernde Fülle lebendigster Gliederung aufgelöst, zu 
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1 Denkmäler der Kunst, T.
        

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