Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1694593
190. 
Die Kunst des gothischen Styles. 
In Bayern nehmen zunächst die Vollendungsbauten am Dom zu 
Regensburgl eine bedeutsame Stelle ein. Die Fagade mit ihren beiden 
kräftigen viereckigen Thürmen, dem originellen Portal und der energi- 
schen Gliederung hat etwas von dem Charakter französischer Fagaden. 
Der südliche Thurm wurde 1404 begonnen, die übrigen Theile sind spä- 
ter, am nördlichen Thurm findet sich das Datum 1482, am Giebel 1486. 
Prächtige Flächendekoration mit Maasswerk im Styl der späteren deko- 
rativ spielenden Zeit bedeckt diese Theile. Im Innern gehören mehrere 
Baldachine, besonders der Brunnen und die Kanzel (1482) derselben 
Epoche.  Ausserdem sind in Regensburg als spätgothische Bauten die 
Kirchen St. Gilgen und St. Oswald sowie das etwa um 1400 erbaute 
Rathh aus mit stattlichem Portal und tabernakelartigem Erker zu nennen. 
Als kleineres Nachbild des Regensburger Doms gilt die Kirche von 
N abburg in der Oberpfalz aus der Spätzeit des 14. Jahrhunderts; ähn- 
liche Behandlung zeigen die Kirchen zu Hohenburg und zu Haabach, 
die Pfarrkirche zu Sulzbach und die durch ihre dreithürmige Fagarle 
ausgezeichnete Georgskirche zu Amberg. 
Die Anlage hoher Mittelschiffe haben sodann auch die altbayerischen 
Kirchen von Kaisersheim bei Donauwörth, die Karmeliterkirche zu 
Abensberg, die Johanneskirche zu Mosburg, und die Frauenkirche zu 
Wasserburg, meist noch vom Ausgang des 14. Jahrhunderts. Dagegen 
beginnt hier mit dem 15. Jahrhundert die Herrschaft der Hallenkirchen 
des nördlichen Deutschlands, grossentheils in Backsteinausführung, schlicht 
und derb, aber oft in bedeutenden Dimensionen. 
Eins der mächtigsten Werke dieser Art ist die 1407 gegründete und 
von Meister Hans Steinmetz (gest. 1432) erbaute Martinskirche zu 
Landshut, ein Bau von gewaltigen Verhältnissen, 315 F. lang, 10_0 F. 
hoch und 83 F. breit bei nur 3 F. Pfeilerdurchmesser. Die Kühnheit 
und Schlankheit dieses Baues ist unübertroffen. Die Pfeiler sind schlicht, 
die Gewölbe netzartig, zwischen den massigen Streben finden sich Kapel- 
lenreihen angebracht. Die Westseite hat einen Thurm von massenhafter 
Anlage und kühner schlanker Erhebung bis zu 454 F. Erbaut wurde 
er zwischen 1432 und 1580.  Andre Bauten desselben Meisters Hans 
sind: die Spitalkirche zu Landshut (1407-61), die Pfarrkirche zu Neu- 
Oetting (1410-80), die Jakobskirche zu Straubing (1429-1512), fast 
nicht minder grossartig und kühn als jene erstgenannte, und die Jakobs- 
kirehe zu Wasserburg (seit 1410), diese letztere mit niedrigen Seiten- 
schiffen.  
Ausserdem in verwandter Art der Behandlung noch eine Reihe statt- 
licher Hallenkirchen: die Frauenkirohe zu Amberg, nach 1408 erbaut; 
die Martinskirche daselbst, deren Thurm erst 1534 vollendet wurde; 
die Pfarrkirche zu Eschenbach. Sodann in Niederbayern die Pfarr- 
kirchen zu Eggenfelden, zu Dingolfing (1467-76) und zu Vils-Bi- 
burg; die Kirche zu eustadt an der Donau, und die Pfarrkirche zu 
Abensberg. In Oberbayern endlich noch mehrere ansehnliche Werke: 
die Frauenkirche zu Ingolstadt (1425-39), eine der stattlichsten An- 
Denkmäler der 
Kunst ,
        

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