Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1694564
Vierte Periode. 
187 
Weiterhin als zierlich entwickelter Bau der Spätzeit die Frauen- 
kirche zu Esslingen, ebenfalls in naher Beziehung zum Münster von 
Ulm. Im J. 1408 begonnen, wurde der Bau zuerst durch Ulrich, dann 
durch Matthäus Ensinger geführt, später leiteten ihn Hans (1440- 
82) und Matthäus Böblinger, bis gegen 1522 ein Stuttgarter Meister 
Marx ihn vollendete. Sein Langhaus ist kurz, hallenartig, mit weiten 
Abständen und anmuthig klaren Verhältnissen, der Chor einfach vorge- 
legt, die Stützen lebendig gegliedert, besonders das Aeussere aber durch 
brillante Portale, reichen Giebelschmuck, zierliche Bekrönung und einen 
der graziösesten Thürme mit völlig durchbrochener Steinspitze ausge- 
zeichnet.  Ausserdem in Esslingen die jüngsten Theile der Diony- 
siuskirche und die Nikolauskapelle, malerisch auf einem Brücken- 
pfeiler errichtet. Ein bedeutenderes Denkmal, die von Matthäus Böb- 
linger 1485-95 erbaute Hospitalkirche ist in unserem Jahrhundert 
abgerissen worden. 
Andre Bauten dieser Gruppe sind die Stiftskirche zu Herrenberg, 
1336 erbaut, aber seit 1440 umgebaut und erweitert, mit etwas erhöhtem 
Schiff; die Stiftskirche zu Stuttgart (1436 bis 1490), von ähnlicher An- 
lage mit lebendig gegliederten Pfeilern und einem reich dekorirten Portal; 
ebendaselbst die schlichten Hallenbauten der Leonhardskirche (1470- 
74) und der Spitalkirche (1471-93), letztere mit zierlicher Emporen- 
anlage und gleichzeitigem Kreuzgange.  Ferner der Chor der lKirche 
zu Schorndorf (1477) mit willkürlich und barock behandelten Details, 
und die Georgenkirche zu Tübingen, der Chor 1420, das Langhaus 
1469-83 erbaut; u. a. m. 
Dem Ausgange der Gothik gehören an: die reizvoll wirkende Brun- 
nenkapelle zu Maulbronn, und der zierlich durchbrochene Dachreiter 
zu Bebenhausen; 1 die jüngeren Theile von S. Kilian zu Heilbronn, 
und zwar der 1450 beendete Chor, der Umbau des Schiffes und die Ober- 
geschosse des Thurmcs (1507-1529); endlich in missverstandenen For- 
men die Kirche zu Freudenstadt, erst 1601-8 ausgeführt. 
Reiche dekorative Werke von üppigster Entfaltung, besonders 
Holzschnitzarbeiten der beiden Ulmer Meister Georg Syrlin d. ä. und 
d. j., bekunden die Fülle der Triebkraft dieser spätgothischen Schule 
Schwabells. Hier sind zu nennen: der Lett-ner in der Dionysiuskirche 
zu Esslingen, 1481 von Lorenz Lechler aus Heidelberg gefertigt; 
mehrere prachtvolle Tabernakel, so von demselben Meister ein 40 Fuss 
hohes in derselben Kirche; das 90 F. hohe 1469 begonnene im Münster 
Zu Ulm; kleinere zu Orailsheim (1498), zu Schwäbisch-Hall in der 
Michaelskirche und zu Heilbronn in der Kilianskirche, in der Georgs- 
kirche zu Nördlillgell (1515-25) u. a.  lllarktbrunnen, aus deren 
Mitte ein zierlicher statuengesclunückter Pfeiler aufragt, zu Ulm, der 
vaFischkastent, 1482 von G. Syrlin errichtet; zu Urach u. s. w.  
Taufsteine im Münster von Ulm (1470), in der Dionysiuskirche zu Ess- 
lingen, in der Kirche von Magstadt, und ein vorzüglich reicher in 
der Marienkirche zu Reutlingen.  Kanzeln in der Georgskirche zu 
Schwäb. 
Denkmäler 
Supplement. 
Lieferung und
        

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