Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1694481
Dritte Periode. 
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ragione) etc.  In der früheren Zeit des 15. Jahrhunderts blühte der 
Veroneser Vittore Pisano (oder Pisanello), der sich durch Anmuth 
und Zartheit in Bewegungen und Charakteren auszeichnet. Ihm schreibt 
man u. a. das Wandgemälde einer Verkündigung in S. Fermo, und eine 
Madonna mit Engeln lllld Heiligen in der städtischen Sammlung von 
Verona zu. Ein noch sehr alterthümliches, aber durch Schmelz der 
Behandlung anziehendes Bildchen, S. Antonius Abbas und der heil. Georg, 
denen die Jungfrau mit dem Kinde erscheint, bezeichnet Pisanus pi, ist 
kürzlich aus der Sammlung Oostabili zu Ferrara nach England gekom- 
men. In seiner späteren Zeit neigte sich dieser Künstler mehr der mo- 
dernen Richtung der Kunst zu, 11nd namentlich gehören hieher seine 
Arbeiten plastischer Art (Medaillen), die in das zweite Viertel des fünf- 
zehnten Jahrhunderts fallen. Von diesen später ein Mehreres. 
Ferner sind als lombardische Künstler hervorzuheben: der wie es 
scheint zu Treviso geborne Thomas de Mutina, um die Mitte des Jahr- 
hunderts blühend und in seinen Werken etwa der schlichten Anmuth des 
Vitale von Bologna vergleichbar. (Treffliche Wandgemälde vom J. 1352 
im Kapitelsaale von S. Nicola zu Treviso, zwei Tafeln in der Kreuzka- 
pelle des Schlosses Karlstein in Böhmen; ein Altarbild in der k. k. 
Galerie zu Wien);  ein Barnaba von Modenag im Einzelnen mehr 
noch byzantinisirend (Madonna vom J. 1369 im Museum von Berlin), 
 und der Mailänder Leonardo de Bissuccio, von dem ein Cyclus 
von Wandgemälden, der Zeit um 1433 angehörig, sich in S. Giovamii a 
Oarbonara zu Neapel (in einer Grabkapelle hinter dem Chor) erhalten 
hat; Geschichten der Maria und Heilige vorstellend, zeichnen sich diese 
Arbeiten sowohl durch die einfache Haltung des Ganzen, wie durch die 
Lieblichkeit in Bildung und Ausdruck der Köpfe aus.2 
In Venedig erscheinen fast das ganze 14. Jahrhundert hindurch 
noch byzantinische Einflüsse wirksam, so dass z. B. die aus dem 14. Jahr- 
hundert stammenden Mosaiken minder frei davon sind, als die um min- 
destens hundert Jahre altern in der Vorhalle; doch lösen sich diese Ein- 
flüsse in den, der späteren Zeit des Jahrhunderts angehörigen Malereien 
zu einer schlichten Anmuth. Um diese Zeit giebt sich eine unverkenn- 
bare Verwandtschaft mit der alten Köhier Schule kund; so schon in dem 
grossen Altarwerk der Verkündigung (1371) von Lorenzo Veneziano 
in der Akademie zu Venedig, während eine andre grosse Tafel von ihm 
(1357) noch beträchtlich alterthümlicher; ebenso in der Madonna mit dem 
Kinde und Engeln, von Niccolo Venetoß (1394) ebendort. Ausser 
diesen Beiden blühte im 14. Jahrhundert zu Venedig ein Meister Paolo, 
der mit Seinen Söhnen Luca und Giovanni 1345 die Altartafel fer- 
tigte, welche, 110011 Sehr byzantinisch und ohne Reiz in den Formen, sich 
in S. Marco hinter dem Hauptaltar befindet. Ferner Jacobello de Bo- 
 
 1 Ueber Bamaba Vgl- Waagen, im Kunstblatt, 1854, S. 48.  2 Passavanb 
1m Schorrfschen Kunstblatt, 1838, N0. 66.  3 Wahrscheinlich dieselbe Person 
mit Niccolo Semitecolt) (1367), welcher incl J. 1394 sich als .„an der Para- 
diesbrücke wohnhaft" bezeichnet und 1404 als "Nicolaus Paradixi Mles" vor- 
kommt.  O. M.
        

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