Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1694440
Dritte Periode, 
175 
sich durch schöne bauliche Hintergründe mit reichlich angebrachten Ver- 
zierungen sowie durch treffliche Zeichnung, freundliche helle Farbenstim- 
mung und sorgfältigste Vollendung auszeichnen. So ferner der bis jetzt 
sehr ungerecht beurtheilte fruchtbare M atteo di Giovanni (blühte 1475), 
gewöhnlich M. da Siena genannt, dessen Altarbild in dem kleinen Kirch- 
lein llladonna della Neve zu Siena eins der anmuthigstexi "Werke des zu 
Ende gehenden 15. Jahrhunderts ist. 
Mit dem Anfange des 15. Jahrhunderts begann in der florentinischcn 
Schule jener entschiedene Umschwung der künstlerischen Entwickelung, 
welcher, die gothischen Typen beseitigend, ein unabhängiges, naturalisti- 
sches Streben hervorrief. Doch blieben einige Künstler in Florenz der 
älteren Richtung getreu, und namentlich sind deren zwei (beides Mönche) 
hervorzuheben, welche den gothischen Styl auf's Neue zu einer wunder- 
samen Aninuth zu gestalten und ihn dabei, in gewissem Betracht, mit 
den neuen Anforderungen der Zeit auszugleichen wussten. Der eine von 
diesen ist der Cainaldulenser-Mönch Don Lorenzo. Von ihm ist zu- 
nächst ein grosses Altarwerk (mit der Jahrz. 1414 bezeichnet) zu nennen, 
dessen Haupttafel die Krönung der Maria vorstellt und das sich gegen- 
wärtig in der Kirche der Badia von Oerreto,unfern von S. Gimignano, 
befindet. (Vermuthlich ist es das XVerk, welches Don Lorenzo für die 
Kirche seines sehr kunstliebenden Klosters in Florenz, S. M. degli An- 
geli, gefertigt hatte). 1 Ein zweites Werk von ihm, ein Altarbild mit der 
Verkündigung llIariä, worin besonders die Altarstaffel mit Vorstellungen 
aus der Jugendgesehichte des Heilandes anziehend, findet sich in der 
Kirche S. Trinita zu Florenz, endlich eins seiner Hauptbilder, die An- 
betung der Könige, in den Ufiizien daselbst. ,Don Lorenzo erscheint in 
diesen Arbeiten als ein geistvoller und gemüthreicher Nachfolger der 
Richtung des Taddeo Gaddi. 
Der zweite, ungleich bedeutendere Meister ist der Dominikanerinölicli 
Fra Giovanni Angelico da Fiesole (1387 bis 1455). 2 Diesen Künst- 
ler kann man als einen Nachfolger der Richtung des Siinone di ltlartino 
bezeichnen (auch scheint er in der That sich mehr nach der sienesischen 
als nach der florentinischen Kunstweise gebildet zu haben). Alle jene 
Zartheit der Auffassung, jenes tiefe innerliche Sehnen, jene religiöse 
Hingebung, jene liebevolle Durchführung der Arbeit, welche dort zu be- 
merken ist, kehrt auch in seinen Bildern wieder; zugleich aber weiss er 
die XVii-kung derselben um so ergreifender zu machen, als er die Ge- 
Inüthszustände der von ihni dargestellten Personen nicht nur in allgemei- 
nen Zügen andeutet, sondern, seiner Zeit gemäss, auch in entschiedener 
Individualisirung (lurchzubilden vermag. Dies wenigstens bei denjenigen 
Darstellungen, welche innerhalb des Kreises seiner religiösen Empfindun- 
gen lagen; wo er sich dagegen an Darstellungen wagte, in denen es auf 
ein rüstiges menschliches Handeln ankam, da reichte seine Kraft nicht 
 
1 
nläiler 
Gaye, Lorenzo Monaco, im Schorwschexl KxunstbL, 
der Kunst, T. 6T (1. 2. 3.) 
1S4I,N0.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.