Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1692175
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1694430
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Die Kunst des gothischen Styles. 
Memmi findet sich ein grosses Wandbild der Madonna mit Heiligen und 
Engeln (1317) im Stadthanse zu S. Gimignano, sodann ein (mit seinem 
Namen bezeichnetes) höchst anmuthvolles und dem Simone gleichfalls 
sehr nahestehendes Madonnenbild bei Hofrath Förster in Berlin. 
Aus Duccio's Schule hervorgegangen, zugleich aber beeinflusst von 
Simone, erscheinen dessen Zeitgenossen Pietro und Ambrogio Loren- 
zetti. Von ersterem das oben erwähnte alterthümliche YVerk im Campo 
Santo zu Pisa, dessen Gegenstand, das Leben der Einsiedler, er auch 
in einem zierlichen Bildchen der Uffizien zu Florenz behandelt hat; 
ebendaselbst findet sich von ihm ein Altarbild der Madonna mit Engeln 
(1340) und ein andres, die Geburt der Jungfrau (1342) in der Sakristei 
des Domes von Siena. Sein berühmterer Bruder, Ambrogio di Lorenzo, 
fertigte die grossen Wandmalereien in der Sala delle balestre des öffent- 
lichen Palastes zu Siena, welche das gute und das schlechte Regiment 
und die Folgen von beiden vergegenwärtigen; die Oomposition dieser 
Darstellungen bewegt sich mehr in der Richtung des Giotto, dabei be- 
kundet dieser Meister cin merkwürdiges Streben nach Mannigfaltigkeit 
der Physiognomien, nach Lebendigkeit der Bewegungen und des Ausdrucks, 
und seine geradlinigen Profile offenbaren den eigenthüinlichen sienesischen 
Sehönheitssinn.  Mehrere Wandmalereien von ihm Wurden vor wenigen 
-Jaliren in Franceseo zu Siena aufgedeckt.  In der zweiten Hälfte 
des 14. Jahrhunderts ist Berna (oder Barna) hervorzuheben, von dem 
sich einige Wandmalereien in der Kirche von S. Gimignano erhalten 
haben. 
Noch alterthiimlieh befangen erscheint Taddeo di Bartolo (1363 
bis 1422), welcher aber-zugleich jene Innerlichkeit und Milde des Ge- 
fühls, jenes fast wehmüthig Schmachtende, das der sienesischen Schule 
eigen, nicht nur selbst in seinen kleineren Tafclbildern beibehalten, son- 
dern auch nach Perugia auf die Schule von Umbrien verpflanzt hat. Zu 
seinen früheren Werken gehören einige Tafeln in Perugia, namentlich 
in der dortigen Akademie (unter diesen ein Altarbild vom Jahr 1404). 
Andre Tafeln seiner Hand sieht man in der Akademie von Siena. 
Würdig und ergreifend sind sodann die Wandmalerien, welche er um 
1407 in der Kapelle des öffentlichen Palastes zu Siena ausführte; sie 
stellen die Geschichten vom Tode der h. Jungfrau dar. Um 1414 malte 
er in der Vorhalle vor jener Kapelle eine Galerie von ausgezeichneten 
Männern des Alterthums; mit diesen Arbeiten trat er jedoch aus seiner 
Richtung heraus, und sie stehen somit seinen früheren Werken nach, 
Die sienesischen Maler, 'die im weiteren Verlauf des 15. Jahrhunderts 
auftraten, bleiben mehr oder weniger den Typen des gothischen Styles 
und der Richtung der vorgenannten Meister getreu, zeigen jedoch meistens 
keinen sonderlichen Grad künstlerischer Kraft. Unter ihnen sind zu 
nennen: Domenico di Bartolo, ein Verwandter des Taddeo, Sano 
di Pietro, Giovanni- di Paolo, Lorenzo di Pietro, Guidoccio 
Cozzarelli n. a. Doch ragen einzelne Erscheinungen weit über die 
Mittelmässigkeit ihrer Zeitgenossen hervor, so der bisher nicht genug ge- 
würdigte Baumeister und Maler Francesco di Giorgio Martini (1439 
bis 1502) dessen Bildchen (Akademie von Siena, Uffizien zu Florenz)
        

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